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Lissabon
(port. Lisboa) ist die Hauptstadt und die größte Stadt Portugals
sowie des gleichnamigen Regierungsbezirkes und liegt an einer Bucht der
Flussmündung des Tejo im äußersten Südwesten Europas
an der Atlantikküste der Iberischen Halbinsel.
Der Handelshafen
an der Tejo-Bucht wurde vor der römischen Herrschaft Alis Ubbo genannt.
Lissabon erhielt zur Zeiten Julius Caesars unter dem Namen Felicitas Julia
römische Stadtrechte. Nach der Verlegung des Königssitzes von
Coimbra wurde die Stadt im Jahre 1256 unter König Afonso III. zur
Hauptstadt des Königsreichs. Um 1500 erlebte Lissabon einen brillanten
Aufstieg zu einer der glanzvollsten Handels- und Hafenstädte der
damaligen Zeit. Ein großes Erdbeben besiegelt im Jahr 1755 den angefangenen
wirtschaftlichen Niedergang der Stadt.
Als größte
Stadt Portugals mit dem wichtigsten Hafen, dem Regierungssitz, den obersten
Staats- und Regierungsbehörden, mehreren Universitäten und der
Akademie der Wissenschaften ist Lissabon heute das politische, wirtschaftliche
und kulturelle Zentrum des Landes.
Lissabon ist
Sitz einiger Agenturen der Europäischen Union, darunter der Europäischen
Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht und der Europäischen
Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs. Auch die Gemeinschaft
der portugiesischsprachigen Länder (CPLP) hat ihren

Pavilhão Atlântico e Parque Camões

Lisbon City
Hauptsitz
in Lissabon.
Inhaltsverzeichnis
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1 Geographie
1.1 Geografische Lage
1.2 Geologie
1.3 Klima
1.4 Etymologie
1.5 Stadtgliederung
2 Geschichte
2.1 Anfänge bis zur Rückeroberung der Stadt
2.2 Hauptstadt des Königsreichs bis zur spanischen Besetzung
2.3 Von der spanischen Besetzung bis zum großen Erdbeben
2.4 Zeit nach dem Beben bis zur Ersten Portugiesischen Republik
2.5 Von der Ersten Portugiesischen Republik bis zur Gegenwart
3 Bevölkerung
3.1 Einwohnerentwicklung
3.2 Religion
4 Kommunalpolitik
4.1 Stadtrat und Gemeinderat
4.2 Bürgermeister
4.3 Wappen
4.4 Partnerstädte
5 Kultur und Sehenswürdigkeiten
5.1 Stadtbild
5.2 UNESCO-Welterbe
5.3 Bauwerke
5.4 Expo 98
5.5 Parks
5.6 Straßen, Orte
5.7 Museen
5.8 Theater
5.9 Musik
5.10 Regelmäßige Veranstaltungen
5.11 Naherholung
5.12 Kulinarische Spezialitäten
6 Sport
6.1 Welt-, Europa- und nationale Meisterschaften
6.2 Fußball
6.3 Sonstige Sportarten
7 Wirtschaft und Infrastruktur
7.1 Wirtschaft
7.2 Straßenverkehr
7.3 Flughafen
7.4 ÖPNV
7.5 Schiene
7.6 Fährverkehr
8 Bildung und Wissenschaft
9 Persönlichkeiten
10 Literatur und Quellen
10.1 Literatur
10.2 Einzelnachweise
11 Weblinks
Geographie [Bearbeiten]
Das Stadtgebiet von Lissabon entspricht auch dem Kreis und umfasst 84,7
km² Fläche mit 499.700 Einwohnern (Stand 2007)[1]. Im Einzugsgebiet
der Stadt, genannte Grande Área Metropolitana de Lisboa, leben
jedoch mit 2.808.414 (Stand 2007)[2] Einwohnern mehr als 25 % der portugiesischen
Bevölkerung. Lissabons Metropolitangebiet erstreckt sich über
Grande Lisboa, in der nördlichen Bank des Tejos, und Península
de Setúbal im Süden.
Geografische Lage [Bearbeiten]
Satellitenaufnahme von LissabonLissabon befindet sich auf der Iberischen
Halbinsel. Die Stadt liegt an einer Bucht am nördlichen Ufer der
Flussmündung des Tejos im äußersten Südwesten Europas
an der Atlantikküste. Der sich kurz vor seiner Mündung ausbreitende
Tejo verengt sich auf den letzten Kilometern bis zum Atlantik. Dort zieht
sich die Stadt am Ufer entlang. Vom Ufer aus steigt sie stufenförmig
an mehreren Hügeln empor. In Lissabon gibt es hohe Hügel und
tiefe Taleinschnitte. Die höchste Erhebung im Stadtgebiet erreicht
226 Meter. Die Stadt hat sich lange Zeit nur am Tejo entlang entfaltet.
Seit dem 20. Jahrhundert breitet sich die Hauptstadt beständig landeinwärts
aus.
Geologie [Bearbeiten]
Die Stadt liegt auf sieben Hügeln, die kleineren Anhöhen nicht
mitgerechnet. Im Atlantik auf der Höhe von Cádiz verläuft
in ost-westlicher Richtung eine tektonische Verwerfung, die so genannte
Gloria-Blattverschiebung. Zwei weitere tektonische Besonderheiten, die
Gorringe-Bank und die Marquês-de-Pombal-Verwerfung, liegen auf Höhe
der portugiesischen Südküste. Erdbeben sind eine Folge des Zusammenstoßens
der nordwärts driftenden afrikanischen Platte mit der iberischen
Halbinsel (eurasischen Platte). [3] Des Weiteren deuten zahlreiche aktive
Schlammvulkane im Golf von Cadiz auf fortwährende seismische Aktivitäten
in der Region hin. Aufgrund der vergangenen Erdbeben wurden 2004 am Meeresboden
Beobachtungspunkte angelegt. Sie sollen Temperatur- und Druckschwankungen
messen, die auf Spannungen in der Erdkruste hindeuten, die sich in einem
Erdbeben entladen können.
Klima [Bearbeiten]
Die Klimaklassifikation nach Lauer und Frankenberg (1987) ordnet das Klima
Portugals dem maritimen und semihumiden Klima der subtropischen Klimazone
zu. Aufgrund seiner Lage direkt am Atlantik wird es vom Temperaturverhalten
des Meeres geprägt: Nicht zu heiße Sommer und verhältnismäßig
milde Winter. Die Temperaturen fallen nur selten unter 0 °C. Noch
seltener sind Schneefälle zu verzeichnen.
Quelle: [4]
Die Monate
mit den höchsten Niederschlagswerten sind Oktober bis März.
Entscheidend ist die Lage am kühlen Kanarenstrom, der in südlicher
Richtung an der Küste Portugals entlangstreicht. Er bewirkt in der
warmen Jahreszeit häufig Küstennebel. Im Winter liegt Lissabon
im Einflussbereich atlantischer Tiefausläufer, die im Küstenbereich
viel Regen bringen. Das jährliche Niederschlagsmittel beträgt
656 mm.
Etymologie [Bearbeiten]
Die gibt unterschiedliche Erklärung zur Namensentstehung. Lissabon
wurde von den Goten und Römern Olissipona bzw. Olisibona genannt[5]
Die Volksetymologie sieht darin einen Zusammenhang mit dem Helden Odysseus.[6]
Unter Julius Caesars hieß der zur Provinz Lusitania gehörende
Ort Felicitas Julia. Andere leiten den Namen Lissabon von dem phönizischen
Alis ubbo ab.[7] Eine weitere Theorie erklärt die Namenschöpfung
mit den vorrömischen Namen des Flusses Tejo, Lisse oder
Lucio.
Stadtgliederung [Bearbeiten]
Karte der 53 Stadtgemeinden (freguesias) mit den 4 Bezirken (bairros)Lissabon
ist in 53 Stadtgemeinden (freguesias) aufgegliedert, die wiederum aus
administrativen Gründen vier Bezirken (bairros) zugeordnet sind:
Ajuda (2. Bairro)
Alcântara (2. Bairro)
Alto do Pina (4. Bairro)
Alvalade (3. Bairro)
Ameixoeira (3. Bairro)
Anjos (1. Bairro)
Beato (4. Bairro)
Benfica (3. Bairro)
Campo Grande (3. Bairro)
Campolide (3. Bairro)
Carnide (3. Bairro)
Castelo (1. Bairro)
Charneca (3. Bairro)
Coração de Jesus (1. Bairro)
Encarnação (1. Bairro)
Graça (1. Bairro)
Lapa (2. Bairro)
Lumiar (3. Bairro)
Madalena (1. Bairro)
Mártires (1. Bairro)
Marvila (4. Bairro)
Mercês (1. Bairro)
Nossa Senhora de Fátima (3. Bairro)
Pena (1. Bairro)
Penha de França (4. Bairro)
Prazeres (2. Bairro)
Sacramento (1. Bairro)
Santa Catarina (1. Bairro)
Santa Engrácia (1. Bairro)
Santa Isabel (2. Bairro)
Santa Justa (1. Bairro)
Santa Maria de Belém (2. Bairro)
Santa Maria dos Olivais (4. Bairro)
Santiago (1. Bairro)
Santo Condestável (2. Bairro)
Santo Estêvão (1. Bairro)
Santos-o-Velho (2. Bairro)
São Cristóvão e São Lourenço (1. Bairro)
São Domingos de Benfica (3. Bairro)
São Francisco Xavier (2. Bairro)
São João (4. Bairro)
São João de Brito (3. Bairro)
São João de Deus (4. Bairro)
São Jorge de Arroios (4. Bairro)
São José (1. Bairro)
São Mamede (1. Bairro)
São Miguel (1. Bairro)
São Nicolau (1. Bairro)
São Paulo (1. Bairro)
São Sebastião da Pedreira (3. Bairro)
São Vicente de Fora (1. Bairro)
Sé (1. Bairro)
Socorro (1. Bairro)
Lissabon Panoramabild
Geschichte
[Bearbeiten]
Die Stadt wurde in ihrer Geschichte mehrfach von Erdbeben, Feuersbrünsten
und Epidemien heimgesucht.
Anfänge bis zur Rückeroberung der Stadt [Bearbeiten]
Provinz LusitaniaDie Phönizier gründeten ab 1200 v. Chr. in
Portugal Kolonien. Diese und die Karthager sollen den Platz Alis Ubbo
(dt. fröhliche Meeresbucht bzw. lustiger Meeresbusen) als einzigen
großen Naturhafen an der iberischen Atlantikküste genutzt haben,
archäologisch wurde dies bisher nicht bewiesen, hingegen wurden griechische
Siedlungsspuren gefunden. Nach Plinius dem Älteren war Lissabon eine
Gründung von Odysseus.
Unter römischer
Herrschaft ab 205 v. Chr. hieß die Stadt zunächst Olisipo.
Julius Caesar gelang es im Keltiberischen Krieg ab 60 v. Chr. von Lissabon
aus, den letzten Widerstand der portugiesischen Stämme zu brechen.
Unter Caesar erhielt die Ortschaft 48 v. Chr. die römischen Stadtrechte
und war nachfolgend als Felicitas Julia ein größerer Ort in
der Provinz Lusitania. Während der Völkerwanderungszeit verwüsten
416 die Westgoten die römische Provinz.
719 wurde Lissabon
von Mauren erobert und später Teil des Emirat von Córdoba.
Danach erlebte die Stadt ihren ersten Aufschwung. Alfons II. siegte bei
Lugo im Kampf gegen die Mauren, drang bis zum Tajo vor und eroberte 798
für kurze Zeit die Stadt.[8] Lissabon fiel jedoch danach wieder an
die Mauren. Es entstand das Kalifat von Córdoba. Im Jahr 955 sandte
Ordonho III de Leão im Kampf gegen die Muslime seine Armee bis
nach Lissabon.[9]
1093 bekam
Graf Raymond von Armous, ein jüngerer Sohn des Herzogs Wilhelm I.
von Burgund die Herrschaft in Galicien übertragen. Von dort aus unternahm
er Feldzüge gegen die Mauren. Dabei gelang ihm sogar, vorübergehend
in Lissabon einzuziehen, nachdem der muslimische König von Badajoz,
zu dem Lissabon gehörte, sich König Alfons unterworfen hatte.[10]
Beim Regierungsantritt
von König Dom Alfonso Henriques wurde der Süden des Landes noch
von Mauen gehalten. Im Jahr 1147 gelang die Belagerung von Lissabon (reconquista
dt. Rückeroberung) durch die Christen. Die erfolgreiche Belagerung
der Stadt durch ein Kreuzritterheer des Zweiten Kreuzzugs sicherte dem
König die Grundlage für die Herrschaft über das gesamte
Land. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts erblickt der heilige Antonius von
Padua, der zuweilen auch Antonius von Lissabon genannt wird, in Lissabon
das Licht der Welt.
Hauptstadt des Königsreichs bis zur spanischen Besetzung [Bearbeiten]
Afonso III. verlegte 1256 den Königssitz von Coimbra nach Lissabon.
Die Stadt wurde damit zur Hauptstadt des Königsreichs. 1344 erschütterte
ein Erdbeben die Stadt. [11] Die große Pest, der von September 1348
bis Anfang 1349 wahrscheinlich mehr als ein Drittel der Bevölkerung
des Landes zum Opfer fielen, dezimierte auch radikal die Bevölkerung
der portugiesischen Hauptstadt.
Verlauf der alten Stadtmauer, 1598Ferdinand I. ließ nach seiner
Thronbesteigung 1367 eine Stadtmauer errichten. Die Bauarbeiten an der
Ringmauer waren um 1370 abgeschlossen. Im Frieden von Alcoutim verpflichtete
sich Ferdinand I. unter anderem eine Tochter Heinrich II. zu heiraten.
Er verliebte sich dann aber in die portugiesische Adlige, Leonore Teles
de Menezes, und heiratete diese anstatt der kastilischen Prinzessin. Verärgert
über den Vertragsbruch griff Heinrich II daraufhin Portugal an und
plünderte im Jahr 1373 Lissabon. Zehn Jahre später war Lissabon
Schauplatz der ersten bürgerlichen Revolution in Europa. Nach dem
Tode Ferdinands I. übernahm zunächst dessen Witwe, Leonore Teles
de Menezes, zusammen mit ihrem Liebhaber für sechs Wochen die Macht.
Daraus erwachsende Spannungen und Auseinandersetzungen mündeten schließlich
in die Krise bzw. Revolution von 1383. In Lissabon kam es zu einem Aufstand
der Handwerkerzünfte. Gestützt auf große Teile des niederen
Adels und auf das Bürgertum von Porto und Lissabon stellte sich der
spätere König Johann I. an die Spitze des Aufstandes, tötete
eigenhändig Leonores Liebhaber und zwang Lenore ins Exil nach Kastilien.
Unter der Herrschaft
Manuels I. entwickelte sich Lissabon zu einem führenden Zentrum des
Welthandels. Am 9. September 1499 wurde Vasco da Gama nach seiner ersten
Indienreise ein triumphaler Empfang bereitet. 1503 kam es in Lissabon
zur Gründung der Casa da Índia, deren Tätigkeit die Basis
der portugiesische Wirtschafts- und Handelspoltik in den folgenden beiden
Jahrhunderten bildete. Besonders in Lissabon wuchsen Handel und Gewerbe,
was nicht unwesentlich der Ausbeutung der portugiesischen Kolonien in
Afrika, Asien und Südamerika zu verdanken war. Bereits um 1500 sprach
man von einer ersten Blüte Lissabons, die bis Mitte des 16. Jahrhunderts
andauerte. Der Lisserboner Hafen war in der damaligen Zeit einer der größten
der Erde.
Inquisition im 17. Jahrhundert1506 kam es zur Zeit der Herrschaft Manuel
I. in der Stadt zu einem Pogrom gegen die getauften Juden, der hohe Opfer
forderte, die Handels- und Finanzbeziehungen der Stadt nachhaltig schädigte
und eine Auswanderungswelle in Gang setzte.[12] Die erste Volkszählung
in Portugal wurde in der Zeit von 1527 bis 1532 durchgeführt. Lissabon
zählte 13.010 Haushalte bzw. zwischen 50.000 und 65.000 Einwohner.[13]
Die Stadt hatte sich zu einer europäischen Metropole entwickelt.
1531 wurde sie jedoch erneut von einem Erdbeben erschüttert. Dabei
kam eine unbekannte Zahl von Einwohnern ums Leben. Die Schätzzahlen
liegen zwischen 1.000 bis 30.000 Menschen.[14]
1536 wurde
unter Johann III. die Inquisition eingeführt. Vier Jahre später
fanden in Lissabon die ersten öffentlichen Vollstreckungen von Urteilen
statt.[15] 1569 forderte eine Pestepidemie in Lissabon und Umgebung 60.000
Menschenleben.
Von der spanischen Besetzung bis zum großen Erdbeben [Bearbeiten]
In einem Portugalfeldzug nahm 1580 der Herzog von Alba Lissabon in Besitz.
Zwei Jahre später verstarb er in Lissabon als Portugiesischer Generalgouverneur.
Vom Tag der Eroberung blieb Lissabon für die folgenden 60 Jahre von
den Spaniern besetzt. Am 28. Mai 1588 liefen die ersten Schiffe der Spanischen
Armada gegen England aus Lissabon aus. Der Aufbruch der Kriegsflotte mit
130 Schiffen zog sich bis zum 30. Mai hin. Die Schiffe waren mit etwa
27.000 Soldaten bemannt und mit über 2600 Kanonen bestückt.
Lissabon, 1650Am 1. Dezember 1640 schlossen sich mehrere portugiesische
Adlige zum Aufstand gegen die spanische Regierung zusammen. Frankreich,
der große Widersacher der Habsburger und damit Spaniens, sah darin
eine Chance, die Spanier zu schwächen und ermunterte den Herzog von
Braganza zum Aufstand. In einem Handstreich wurde die spanische Statthalterin,
die Herzogin von Mantua, in Lissabon gestürzt und das Oberhaupt der
Familie Braganza, Herzog Johann II. am 15. Dezember 1640 als Johann IV.
zum König von Portugal ausgerufen. 1668 beendete der Vertrag von
Lissabon den Spanisch-Portugiesischen Krieg.
1696 leiteten
Gold- und spätere Diamantenfunde in Brasilien eine zweite Blüte
der portugiesischen Hauptstadt ein. Am 27. Dezember 1703 wurde der Methuenvertrag
zwischen England und Portugal in Lissabon geschlossen. Das Abkommen band
Portugal wirtschaftlich noch stärker an England.[16]
Erdbeben in Lissabon 1755Am 1. November 1755 wurde Lissabon durch ein
starkes Erdbeben zu zwei Dritteln zerstört. Nach heutigen Schätzungen
hatte es die Stärke 8,7 bis 9,0. Zeitgenössische Quellen geben
allein für Lissabon bis zu 60.000 Todesopfer an. Die Erschütterungen
waren in ganz Europa und Nordafrika zu spüren. Planmäßig
wiederaufgebaut wurde die Stadt von dem Markgrafen von Pombal. Besonders
typisch für diesen Wiederaufbau ist die Baixa, die Unterstadt, mit
ihren rechtwinklig angelegten Straßen im Bereich um die Rua Augusta.
Neben den physischen Schäden, die das Erdbeben anrichtete, erschütterte
es auch die aufklärerischen und theistischen Denkrichtungen vieler
Philosophen, welche die Ursache dieser Naturkatastrophe nicht erkannten
und ihren Optimismus aufgaben. Voltaire schrieb als Reaktion auf das Beben
sein Poème sur le désastre de Lisbonne (1756).
? Siehe auch:
Erdbeben von Lissabon
Zeit nach dem Beben bis zur Ersten Portugiesischen Republik [Bearbeiten]
Bau des Rossio-Bahnhofs, 1886Lissabon erhielt im Jahr 1780 seine erste
Straßenbeleuchtung mit Öllaternen.[17] Das erste Postamt der
Stadt eröffnet 1800. Im Jahr 1807 kam es zur Besetzung Portugals
durch französische Truppen. Die Königsfamilie mitsamt dem Hofstaat
floh deshalb nach Brasilien. Ende November 1807 verließen 36 Schiffe
mit rund 15.000 Personen und der Aristokratie des Landes den Lissabonner
Hafen. Prinzregent Johann VI. erreichte im März 1808 Brasilien. Rio
de Janeiro wurde danach neuer Regierungssitz. [18]
In der Stadt
brach 1811 Typhus aus. 1833 folgte dann Cholera. Daran starben innerhalb
von 9 Monaten 13.522 Menschen.[19] Im Miguelistenkrieg wurde das von König
Michael besetzte Lissabon am 24. Juli 1833 von Truppen Peter I. eingenommen.
[20] Während der Septemberrevolution trafen am 9. September 1836
setembristische Abgeordnete aus Porto, an ihrer Spitze Manuel da Silva
Passos, in der portugiesischen Hauptstadt ein. Sie wurden von der Bevölkerung
Lissabons triumphal empfangen.
Im Jahre 1849
wurden die ersten Straßenlaternen mit Gas beleuchtet. Zwei Jahre
später eröffnete die Eisenbahnlinie LissabonCarregado.
Der Vertrag von Lissabon beschloss am 20. April 1859 die Aufteilung und
der Austausch portugiesischer und niederländischer Besitzungen auf
dem Solor- und Timorarchipel zwischen Portugal und den Niederlanden. 1873
erfolgte die Inbetriebnahme der Pferdebahn, genannt O Americano.
Die ersten elektrischen Straßenlaternen wurden 1878 angeschlossen.
Der Rossio-Bahnhof eröffnete offiziell am 11. Juni 1890.
Von der Ersten Portugiesischen Republik bis zur Gegenwart [Bearbeiten]
Lissabon, 1919Am 5. Oktober 1910 wurde auf dem Balkon des Rathauses die
Erste Portugiesische Republik ausgerufen. König Emanuel II. floh
daraufhin ins Exil nach England. Damit endete die 771-jährige Geschichte
der portugiesischen Monarchie. Am 19. Oktober 1921 wurden in der Lissabonner
Blutnacht bei einem Aufstand der Republikanischen Garden der Regierungschef
António Joaquim Granjo und eine Reihe anderer Politiker getötet.
Ein Militärputsch beendet im Jahr 1926 die Erste Portugiesische Republik.
Acht Jahre später kam der Ministerpräsident und Diktator von
Portugal António de Oliveira Salazar an die Macht. Er verkündete
den Estado Novo, den Neuen Staat, eine konservativ-autoritäre
Diktatur. In der Zeit des Estado Novo, von 1926 bis 1974, wuchs die Stadt
weiter. Sie wurde zu Lasten des restlichen Landes ausgebaut.
Die Cristo-Rei
Statue in Almada, die sich mit ausgebreiteten Armen der Stadt Lissabon
zuwendet, wurde nach rund zehnjähriger Bautätigkeit am 17. Mai
1959 eingeweiht. Im Dezember 1959 eröffnet die erste Metro-Linie
in Lissabon. 1966 wurde eine Hängebrücke über den Tejo
nach Almada fertig gestellt, die der Golden-Gate-Brücke in San Francisco
gleicht. Vor der Nelkenrevolution noch nach António de Oliveira
Salazar benannt, heißt sie nun Ponte 25 de Abril (dt. Brücke
des 25. April).
Ende April
1974 war Lissabon das Zentrum der Nelkenrevolution. Mit der Beendigung
des Kolonialkriegs in Afrika 1975 kam es zu einer Fluchtwelle aus Angola
und Mosambik insbesondere in den Großraum von Lissabon. 2005 lebten
noch rund 100.000 Schwarzafrikaner im Umfeld der Metropole. [21] Ein Großbrand
im Altstadtviertels Chiado zerstört 1988 diverse Gebäude. Im
Jahr 1995 wurde Lissabon Kulturstadt Europas. Zwei Jahre später verabschiedete
der Europarat und die UNESCO in Lissabon eine neue gemeinsame allgemeine
Hochschulkonvention die sogenannte Lissabonner Konvention.[22]
1998 wurde die insgesamt über 17 Kilometer lange Autobahn-Brücke
Ponte Vasco da Gama über den Tejo anlässlich der Weltausstellung
Expo 98 fertig gestellt.
Im März
2000 verabschiedeten die europäischen Staats- und Regierungschefs
auf einem Sondergipfel die Lissabon-Strategie. Die Strategie hat das Ziel
die EU bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensgestützten
Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Am 13. Dezember 2007 wurde unter portugiesischer
Ratspräsidentschaft der Vertrag von Lissabon (auch EU-Grundlagenvertrag
genannt) zwischen den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union unterzeichnet.
? Siehe auch:
Vertrag von Lissabon (Begriffsklärung)
Bevölkerung [Bearbeiten]
Einwohnerentwicklung
[Bearbeiten]
Die Bevölkerung der eigentlichen Stadt beträgt 499.700, und
die Einwohnerzahl für das Metropolitangebiet Lissabons beträgt
2.800.000 gemäß dem Instituto Nacional de Estatística
(dt. Nationales Institut für Statistiken). Die Bevölkerungsdichte
der Stadt selbst beträgt 6.658 Einwohner pro km². Im Jahr 2007
waren 13 % der Bevölkerung unter 15 Jahre alt und 24 % über
65 Jahre. Der nationale Durchschnitt lag bei den Personen über 65
Jahren bei 17%. Frauen stellen mit 54 % mehr als die Hälfte der Einwohner.
[23]
In den letzten
Jahren hat Lissabon einen dramatischen Bevölkerungsrückgang
erlebt. Trotz des Zuzugs von 53.000 Menschen zwischen 1996 und 2001 verließen
im Jahr 2001 für jeden neu nach Lissabon zugezogenen Bewohner zwei
weitere die Stadt. Die Zuzügler sind vorrangig Familien, die dank
ihrer finanziellen Mittel für die hohen Wohnraumkosten aufkommen
können, vor allem junge Leute und Vertreter des Mittelstandes sind
weggezogen. Der Tendenz zur Suburbanisierung, der in der Stadt zu beobachten
ist, wird durch die sukzessive Verlagerung von Wohnraum in das Großstadtgebiet
von Lissabon ausgeglichen, so dass Mobilitäts- und Transportprobleme
jetzt ein kritischer Faktor im Alltag der Stadt und im Hinblick auf die
Lebensqualität ihrer Bürger geworden sind.[24]
Einwohnerentwicklung
von Lissabon (18012007)
Jahr Einwohner
1801 203.999
1849 174.668
1900 350.919
Jahr Einwohner
1930 591.939
1960 801.155
1981 807.937
Jahr Einwohner
1991 663.394
2001 564.657
2004 529.485
Jahr Einwohner
2005 519.795
2006 509.751
2007 499.700
Catedral Sé Patriarcal
Religion [Bearbeiten]
? Siehe auch: Liste der Patriarchen von Lissabon
Die überwiegende
Mehrheit der Lissaboner bekennt sich zum römisch-katholischen Glauben.
Das erste Bistum Lissabon wurde bereits im 4. Jahrhundert gegründet.
Als die Stadt von den Mauren erobert wurde, existierte es als z.T. vakantes
Titularbistum der römisch-katholischen Kirche weiter. Daneben gibt
es Hinweise auf namentlich nicht bekannte mozarabische Bischöfe von
Lissabon. Nach der Zurückeroberung durch Alfons I. lebte es als römisch-katholisches
Bistum unter seinem Bischof, dem Normannen Gilbert von Hastings (Bischof
von 1147 bis 1166), wieder auf. Das Patriarchat von Lissabon wurde 1716
errichtete. Es ist eine römisch-katholische Metropolitanbistum mit
Sitz in der portugiesischen Hauptstadt.
Kommunalpolitik [Bearbeiten]
Stadtrat und
Gemeinderat [Bearbeiten]
Die Gemeinde- und Kommunalversammlung werden von den Einwohnern nach dem
Verhältniswahlprinzip gewählt. Der direkt gewählte Stadtrat
und der Gemeinderat stellen die lokale staatliche Gewalt. Sie sind der
jeweiligen Versammlung gegenüber verantwortlich. Die lokale Selbstverwaltung
finanziert sich aus örtlichen Einnahmen und Eigenvermögen sowie
aus dem staatlichen Finanzausgleich. Der Haushaltsplan wird vom Gemeinde-
bzw. Stadtrat ausgearbeitet und der jeweiligen Versammlung zur Entscheidung
vorgelegt. Im Großraum Lissabon trugen in den letzten Jahren Einnahmen
von 40 bis 50 Prozent, aus der Immobiliensteuer sowie Kfz- und Gewerbesteuer,
zum örtlichen Haushalt bei.
Der Cámara
Municipal (dt. Stadtrat) besteht aus 17 und der Assembleia Municipal (dt.
Gemeinderat) aus 107 Mitgliedern. Die Mitglieder des Gemeinderates werden
von der Gemeindeversammlung gewählt. Den Gemeinderatsvorsitz übernimmt
der Kandidat auf dem ersten Listenplatz der stärksten Partei vor
Ort. Den Bürgermeister stellt die Partei mit dem höchsten Anteil
der Sitze im Stadtrat. [25]
Die Kommunalwahlen
vom 9. Oktober 2005 brachten folgende Ergebnisse:
Stadt-/Gemeinderat
PSD PS PCP BE PP PEV
Cámara Municipal 8 5 2 1 1 0
Assembleia Municipal 56 28 13 5 3 2
Die vorgezogene
Kommunalwahlen am 15. Juli 2007 ergab für den Stadtrat folgende Sitzverteilung
(Prozentverteilung):
Stadtrat (Cámara
Municipal) PS Lisboa com Carmona PSD Cidadãos por Lisboa PCP BE
Sitze 6 3 3 2 2 1
Prozent [26] 29,54 % 16,70 % 15,74 % 10,21 % 9,53 % 6,81 %
Bürgermeister [Bearbeiten]
? Siehe auch: Liste der Bürgermeister von Lissabon
Im Mai 2007
waren vorgezogene Kommunalwahlen nötig, weil der damalige Lissabonner
Bürgermeister Carmona Rodrigues aufgrund einer Korruptionsaffäre
zurücktreten musste. In der Wahl am 15. Juli 2007 wählten die
Lissabonner António Luís Santos da Costa[27]mit einer einfachen
Mehrheit von 29,54 Prozent zum Bürgermeister der portugiesischen
Hauptstadt. Die Wahlbeteiligung lag bei 37,39 Prozent.
Wappen [Bearbeiten]
StadtwappenDas Wappenschild von Lissabon ziert ein Segelschiff mit zwei
Raben. Die Abbildung bezieht sich auf eine Legende. Angeblich wurde der
Leichnam des Stadtheiligen Vicente de Saragoça in einem führerlosen
Boot begleitet von zwei Raben an der Algarveküste, am Cabo de São
Vicente, angetrieben. Von diesem Ort wurde der Leichnam nach Lissabon
gebracht und dort beigesetzt.[28] Oberhalb des Schildes befindet sich
eine Burg. Das Bauwerk wird mit fünf Türmen dargestellt. Umrahmt
wird das Schild von einer Kette und einem Band. Der Wahlspruch in dem
Band lautet: MUI NOBRE E SEMPRE LEAL CIDADE DE LISBOA (dt. Sehr edel und
stets treuergebene Stadt Lissabon).
Partnerstädte [Bearbeiten]
Lissabon unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten[29]:
Bissau, Guinea-Bissau
Brasília, Brasilien
Budapest, Ungarn
Cacheu, Guinea-Bissau
Dili, Osttimor
Guimarães, Portugal
Luanda, Angola
Macao, China
Madrid, Spanien
Maputo, Mosambik
Malakka, Malaysia
Montreal, Kanada
Paris, Frankreich
Praia, Kap Verde
Rabat, Marokko
Rio de Janeiro, Brasilien
Salvador da Bahia, Brasilien
São Paulo, Brasilien
São Tomé, São Tomé und Príncipe
Zagreb, Kroatien
Kultur und Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
Stadtbild
[Bearbeiten]
Torre de Belém
Mosteiro dos JerónimosDas heutige Stadtbild von Lissabon geht vornehmlich
auf Baumaßnahmen ab dem 18. Jahrhundert zurück. Das Zentrum
von Lissabon ist die Baixa. Die Altstadt besticht durch ihre Fliesenfassaden
und mittelalterlichen, engen Gassen. In den Innenstadtvierteln prägen
auch Bausubstanzprobleme das Stadtbild. 1994 wurde die Gesamtzahl der
Gebäude in Lissabon mit 62.041 angegeben. Davon stammten 30,73 %
der Gebäude aus der Zeit vor 1919 und 21,37 % aus der Zeit zwischen
1919 und 1945. Nach Erhebungen des Zentrums für territoriale Studien
der Stadt Lissabon aus dem Jahr 1992 fielen die veranschlagten Renovierungskosten
des bestehenden Wohnraums mit einem Drittel auf die Gebäude zwischen
1850 und 1930.[30]
UNESCO-Welterbe [Bearbeiten]
Im Jahre 1983 wurde der Torre de Belém und das Mosteiro dos Jerónimos
von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.[31] Der Torre de Belém,
der im gleichnamigen Stadtteil an der Tejomündung liegt, ist eines
der bekanntesten Wahrzeichen Lissabons. Der Wachturm wurde während
der napoleonischen Invasion zerstört und 1846 rekonstruiert. Neben
dem nahegelegenen Mosteiro dos Jerónimos gehört sie zu den
wenigen herausragenden Bauwerken des manuelinischen Stils,
die das Erdbeben von Lissabon überstanden haben. Das Mosteiro dos
Jerónimos (dt. Hieronymus-Kloster) liegt im Stadtteil Belém.
Neben den Königsgräbern befindet sich hier auch die Grabstätte
des bekannten Seefahrers Vasco da Gama. Das Kloster gilt als bedeutendster
Bau der Manuelinik, einer portugiesischen Variante der Spätgotik,
die auch einige Elemente der Renaissance enthält.
Bauwerke [Bearbeiten]
Zu den sehenswerten Bauwerken Lissabons gehört das Kloster São
Vicente de Fora. Es wurde 1147 als Augustinerkloster von Alfons I. außerhalb
der Stadtmauern gegründet und dem heiligen Vinzenz von Saragossa
gewidmet. Unter Philipp II. erhielten die Kirche und das Kloster das heutige
Aussehen.
Castelo de São JorgeDie Festungsanlage mit integrierter Burgruine
Castelo de São Jorge wurde jahrhundertelang als Königsburg
genutzt. In einem Turm der Burg, dem Torre do Tombo, befand sich die königliche
Urkundensammlung. 1755 wurde die Burg beim Erdbeben von Lissabon weitgehend
zerstört. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten ist die Anlage
wieder in einem guten Zustand.
Die Hauptkirche
der Stadt Lissabon und die Kathedrale des Patriarchats von Lissabon ist
die Catedral Sé Patriarcal (dt. Kathedrale in Lissabon). Die Bauarbeiten
an der älteste Kirche der Stadt begannen im Jahr 1147. Ein Erdbeben
beschädigte 1344 das Bauwerk. Im Jahr 1380 wurde die westliche Fassade
im Stil der Romanik errichtet.
Im 17. Jahrhundert
errichtete man die große Barockkirche Igreja de Santa Engrácia
(dt. Kirche der heiligen Engrácia). Die Kirche konnte erst im 20.
Jahrhundert vollendet werden. Sie wurde nie als Gotteshaus genutzt und
dient heute als Panteão Nacional (dt. Nationales Pantheon). Im
dem Bauwerk wurden einige Staatspräsidenten und Schriftsteller begraben.
Zudem befinden sich dort noch einige Kenotaphen für Helden
der portugiesischen Geschichte.
Das Convento
do Carmo ist ein in den Jahren 1389 bis 1423 von Nuno Álvares Pereira
errichtetes Kloster des Karmeliter-Ordens. Die Karmeliter-Kirche galt
als ein Prachtexemplar der Lissabonner Gotik. Durch das Erdbeben von 1755
wurde das Kloster stark zerstört. Heute sind nur noch die Ruinen
zu besichtigen.
Palácio de São BentoDas Aqueduto das Águas Livres
hat eine Länge von 19 km und erstreckt sich von Queluz über
Caneças bis zum Mãe d'Água das Amoreiras. [32] Dieser
Aquädukt gehört zu den weltweit größten Bauten dieser
Art. Am imposantesten ist das Aquädukt im Alcântara-Tal. Die
Bogenbrücke hat eine Gesamtlänge von 941 m. Gestützt wird
die 66 m hohe Brücke von 109 Bögen.[33]
Der Elevador
de Santa Justa, auch Elevador do Carmo genannt, ist ein 45 Meter hoher
Personenaufzug, der im Stadtzentrum von Lissabon den Stadtteil Baixa mit
dem höhergelegenen Stadtteil Chiado verbindet. Im allgemeinen Sprachgebrauch
werden manchmal auch die drei straßenbahnähnliche Lissabonner
Standseilbahnen fälschlicherweise Elevador genannt.
Der Palácio
de São Bento war anfangs ein Benediktiner-Kloster. Es wurde im
Jahre 1598 errichtet. Die Benediktiner-Mönche lebten bis zum Jahre
1820 in dem Kloster. 1834 zog das portugiesische Parlament in das Bauwerk
ein. Im hinteren Teil des Gebäudes befindet sich der Sitz des Premierministers.
Padrão dos DescobrimentosDer portugiesische Außenminister
ist im Palácio das Necessidades dem ehemaligen königlichen
Palast aus dem 18. Jahrhundert untergebracht. Der Palast wurde unter der
Regentschaft Königin Maria II. zur offiziellen Residenz der königlichen
Familie. Nach der Ausrufung der Republik am 5. Oktober 1910 wurde das
Bauwerk zum Sitz des Außenministeriums bestimmt.
António
José Dias da Silva, ein portugiesische Architekt, entwarf die Praça
de Touros do Campo Pequeno (dt. Stierkampfarena) am Campo Pequeno. Die
Arena wurde zwischen 1890 und 1892 errichtet, nachdem die ehemalige Lissabonner
Stierkampfarena am Campo de Santana, die zwischen 1831 und 1891 in Funktion
war, abgerissen wurde.
Das Denkmal
Padrão dos Descobrimentos steht im Stadtteil Bélem am Ufer
des Flusses Tejo. Es wurde 1960 unter dem Salazar-Regime erstellt, genau
500 Jahre nach dem Tode von Heinrich dem Seefahrer und soll die alten
Zeiten der Seefahrernation Portugal glorifizieren. Dargestellt ist der
Bug einer Karavelle auf dem, angeführt von Heinrich dem Seefahrer,
weitere bedeutende Personen aus dem Zeitalter der Entdeckungen dargestellt
sind. Der 54 Meter hoher Turm, seitlich mit stilisierten Segeln versehen,
versinnbildlicht den Mast der Karavelle.
Ozeanarium im Parque das NaçõesDer Torre Vasco da Gama ist
ein 145 Meter hoher Aussichtsturm in Stahlfachwerkbauweise, der 1998 für
die Weltausstellung erbaut wurde. Nach Plänen des portugiesischen
Architekten Nuno Leónidas soll der Vasco-da-Gama-Turm in ein Luxushotel
mit 178 Zimmern in 20 Stockwerken umgewandelt werden. Der Umbau dazu hat
im Oktober 2007 begonnen. In dem Bereich des ehemalige Ausstellungsgelände
der Expo 98 steht ebenfalls das Oceanário de Lisboa. Es ist das
zweitgrößte Ozeanarium weltweit und befindet sich dort im Park
der Nationen.
Expo 98 [Bearbeiten]
Die Weltausstellung Expo 98 fand vom 22. Mai bis zum 30. September 1998
in Lissabon stattfand. Sie war die erste in Portugal und die zweite auf
der Iberischen Halbinsel und stand unter dem Motto Os oceanos: um
património para o futuro, zu Deutsch Die Ozeane: Ein
Erbe für die Zukunft. An der Expo nahmen 143 Länder und
14 internationale Organisationen teil. Während der 132 Öffnungstagen
besuchten 10,12 Millionen Menschen die 340 Hektar[34]große Weltausstellung.
Heute wird das populäre Ausstellungsgelände unter dem Namen
Parque das Nações vermarktet.[35]
Parks [Bearbeiten]
Park Jardim da EstrelaDer Parque Eduardo VII ist der größte
innerstädtische Park in der portugiesischen Hauptstadt. Er befindet
sich in der Stadtgemeinde São Sebastião da Pedreira. Namensgeber
des Parks war König Eduard VII. der 1903 Portugal besuchte. Der Jardim
do Campo Grande, zu deutsch Garten des großen Feldes,
ist ein zwischen über 12,5 Hektar großer Park in der Stadtgemeinde
Campo Grande. Der Park Jardim da Estrela wurde später umbenannt in
Garten Junqueiro Krieg. Die Bauarbeiten an dem Park begannen 1842. Er
befindet sich gegenüber der Basilika da Estrela.
Straßen, Orte [Bearbeiten]
Bronzestatue von Fernando Pessoa vor dem Café A BrasileiraDie Avenida
da Liberdade ist eine am Vorbild der Pariser Avenue des Champs-Elysées
orientierte Prachtstraße in Lissabon. Sie verbindet die nach dem
Erdbeben von 1755 angelegte Baixa (Unterstadt) mit den höher gelegenen
Stadtvierteln im Norden und fand ab Beginn des 20. Jahrhunderts in den
Avenidas Novas ihre Fortsetzung. Ein erstes Teilstück der Avenida
wurde 1882 zum 100. Jahrestag des Todestages des Marques de Pombal und
des ihm gewidmeten Rundplatzes eingeweiht.
Mit Miradouro
bezeichnet man im Portugiesischen allgemeinen einen Aussichtspunkt. Die
Miradouros zählen zu den schönsten Plätzen der Stadt. Diese
liegen auf den Erhebungen ringsum und geben einen wundervollen Blick auf
die Altstadt oder den Tejo frei.
Das Bairro
Alto (Oberstadt) ist ein Stadtteil von Lissabon, der sich oberhalb des
Geschäftsviertels Baixa befindet. Es ist vor allem wegen seines Nachtlebens
bekannt. Zu den ältesten und bekanntesten Cafés der Stadt
gehört das A Brasileira. Das Café im Chiado-Viertel wurde
am 19. November 1905 von Adriano Telles gegründet. Es war ein beliebter
Treffpunkt von Intellektuellen. Dort verkehrten unter anderem der portugiesischen
Dichter Fernando Pessoa und Schriftsteller der Aquilino Ribeiro. Seit
1988 steht vor dem Café ein Bronzestatue Pessoas.[36]
Museen [Bearbeiten]
? Siehe auch: Liste der Museen in Lissabon
Museu Nacional de Arte AntigaIn Lissabon gibt es zahlreiche Museen. Das
Museu Nacional de Arte Antiga (dt. Nationalmuseum für alte Kunst)
gehört zu den bedeutendsten Kunstmuseen Portugals. Ein bedeutender
Schwerpunkt der Sammlung sind Werke portugiesischer Künstler. Es
besitzt unter anderem Werke von Hieronymus Bosch, Albrecht Dürer,
Pieter Brueghel der Jüngere, Piero della Francesca, Hans Holbein
der Ältere und Raffael. Zwischen 1964 und 1969 entstand das Gebäude
des Museu Calouste Gulbenkian. Die Dauerausstellung des Museums umfasst
ein breites Spektrum an Kunstobjekten aus allen Epochen.1984 wurde es
um das Museum für Moderne Kunst erweitert. Zu den wohl bekanntesten
Exponaten des Museums zählen die Werke von Rembrandt ("Portrait
eines alten Mannes"), Monet ("Stillleben mit Melone") und
Manet ("Die Seifenblasen"). Im Stadtteil Belém liegt
das Museu da Marinha (dt. Marinemuseum). Es befindet sich in einem Teil
des Westflügels vom Mosteiro dos Jerónimos, zusammen mit dem
Museu Nacional de Arqueologia. Das Museu de Etnologia (dt. ethnologische
Museum) besitzt Artefakte aus der ganzen Welt. Größtenteils
stammen sie aus den ehemaligen Kolonien. 1904 wurde das Museu Nacional
dos Coches (dt. Kutschenmuseum) auf Initiative von Königin Amalia
eröffnet. Es beherbergt eine beträchtliche Kutschensammlung.
Die älteste ausgestellte Kutsche stammt von dem spanischen Philipp
II. aus dem 16. Jahrhundert. [37] Das von dem Industriellen und Kunstsammler
José Berardo im Jahr 2007 eröffnete Museu Colecção
Berardo ist im Centro Cultural de Belém untergebracht. Der Kunstsammler
hat dem Museum eine beachtliche Sammlung moderner und zeitgenössische
Kunst des 20. Jahrhunderts aus Europa und Übersee zur Verfügung
gestellt.
Theater [Bearbeiten]
Teatro Nacional D. Maria II1854 gab es in Lissabon sechs Theater. Aktuell
gibt es neben den staatlichen Theatern einige unabhängige Festspielhäuser,
die ein reiches Aufführungsprogramm bieten. Das Teatro Nacional Dona
Maria II (dt. Nationaltheater Dona Maria) ist das älteste Theater
von Lissabon und liegt am Lissabonner Rossio Platz. Das Teatro Aberto
befindet sich in der Nähe von der Praça de Espanha. Das Klassische
Theater Teatro da Trindade findet man im Stadtteil Chiado. Dort befindet
sich ebenfalls die Lissaboner Oper Teatro Nacional de São Carlos.
Direkt neben der Oper liegt das städtische Theater Teatro Municipal
de São Luis. In dem Teatro Politeama, im Stil der 20er Jahre, kommen
überwiegend Erfolgsmusicals zur Aufführung. Die Balletttruppe
Companhia Nacional de Bailado CBN zog nach der Expo in das Teatro Camões
ein. Dort gastieren auch andere Ballettensembels.[38] Weitere Theater
sind das das Teatro da Cornucópia, das Teatro da Comuna, das Teatro
Municipal Maria Matos, das Teatro Taborda, das Teatro Tívoli, das
Teatro São Luiz und das Teatro Villaret sowie das Teatro Vasco
Santana.
Musik [Bearbeiten]
FadomuseumEine der traditionellen Musikarten in Lissabon ist der Fado,
meist mit wehmütiger Grundstimmung gesungen und von einer normalen
und einer portugiesischen Gitarre (Guitarra) begleitet. Fado wird für
Touristen abendlich in Kneipen der Stadtviertel Bairro Alto und Alfama
dargeboten. Mit dem Fado verbindet sich zweifelsfrei der Name der populärsten
Fado-Sängerin Portugals, Amália Rodrigues. Als würdige
Nachfolgerin der 1999 verstorbenen Künstlerin gilt derzeit für
viele Portugiesen die Sängerin Mariza. Seinen Ursprung hat der Fado
in den Armenvierteln von Lissabon, wo er zunächst in den anrüchigen
Kneipen im Stadtteil Mouraria auftauchte. Ob er sich ursprünglich
aus den Gesängen der portugiesischen Seeleute entwickelte, oder aus
brasilianischen Musikrichtungen wie Lundum oder Modinha entstand, ist
aus heutiger Sicht nicht mehr festzustellen.
Regelmäßige Veranstaltungen [Bearbeiten]
Seit 1984 treffen sich Jazz-Freunde jährlich beim internationalen
Jazzfestival Jazz em Agosto der Gulbenkian-Stiftung in der portugiesischen
Hauptstadt. Das Rockmusik-Festival Rock in Rio fand 2006 und 2008 in Lissabon
statt. Folgende portugiesischen Filmfestivals finden jedes Jahr in Lissabon
statt:
DocLisboa
Internationales Dokumentarfilmfestival
Festival des schwulen und lesbischen Kinos (Festival de Cinema Gay e Lésbico
de Lisboa)
IndieLisboa Internationales Festival über Independent Kino
(Festival internacional de cinema independente)
Naherholung
[Bearbeiten]
Ponte 25 de AbrilDie traditionsreichen Seebäder Cascais und Estoril
liegen in der Umgebung von Lissabon. Estoril gilt als Rückzugsort
der reichen Oberschicht Lissabons und liegt am Rand der Estremadura. Berühmt
wurde der Ort wegen seines Casinos. Bei Estoril befindet sich auch das
Autódromo, eine Rennstrecke, auf der jährlich der Große
Preis von Portugal für Motorräder ausgetragen wird. Die Nachbarstadt
Cascais liegt an einer sandigen Bucht des Atlantiks, etwa 25 Kilometer
westlich von Lissabon. Ab 1870 verbrachte die königliche Familie
regelmäßig den Sommer in Cascais, wodurch der Ort auch den
Adel und gehobene Bürgerschichten anzog. Der Ort verfügt über
einen Yachthafen mit etwa 600 Liegeplätzen. Das Naturreservat Serra
da Arrábida in der Region Lisboa e Vale do Tejo erstreckt sich
westlich von Setúbal an der vom Meer abgewandten Küsten. Dort
gibt es eine Reihe von seltenen Pflanzen und Tieren. Der Naturpark erstreckt
sich mit einer Fläche von 10821 ha auf einem bis zu 8 km breitem
und 22 km langem Streifen entlang der Küste. Seine Begrenzung bilden
die Städte und Dörfer Sesimbra und Santana im Westen, Azeitão
und Quinta do Anjo im Norden sowie Palmela und Setúbal im Osten.
Kulinarische Spezialitäten [Bearbeiten]
Pastel de NataIn den zahllosen Gaststätten und Restaurants und Lokalitäten
werden Speisen aus internationaler und einheimischer Küche serviert.
Es gibt jedoch nur wenige originären Lissabonner Spezialitäten,
die nicht auch anderswo angeboten werden. Die Portugiesische Küche
basiert auf deftigen und traditionell zubereitete Gerichte unter Verwendung
von Fleisch, Fisch, Gemüse, Reis Bohnen und Kartoffeln. Der Stockfisch
ist Spezialität und Nationalgericht Portugals. Unzählige Rezepte
gibt es auch für den gesalzenen und getrockneten Kabeljau. Beliebt
sind ebenfalls Sardinen, gegrillt als Sardinhas assadas, außerdem
Tintenfische, Langusten, Krebse, Tunfisch, Schwertfisch, Aal, Garnelen
und weitere Meerestiere. Typisch ist auch Ameijoas na cataplana, ein Muscheleintopf
mit Schweinefleisch, Speck und Zwiebeln. Neben Rindfleisch wird in Portugal
häufig auch Ziegenfleisch (Cabrito) und Lammfleisch (Borrego) gegessen.
International bekannt ist der portugiesische Portwein, ein Likörwein,
der vor allem zu Desserts getrunken wird. Zu den Spezialitäten gehört
ferner das Pastel de Nata oder Pastel de Belém. Das Puddingtörtchen
bestehend aus Kuchen- oder Blätterteig, gefüllt mit cremigem
Vanillepudding und bestäubt mit Zimt und Puderzucker wurde
vermutlich bereits vor dem 18. Jahrhundert von Mönchen des Hieronymus-Kloster
in dem Lissabonner Stadtteil Belém hergestellt. Nach der Säkularisierung
der Klöster beschlossen die Mönche im Jahr 1837, Delikatessen
zu produzieren, welche an die Lissabonner verkauft werden sollten. Heute
besuchen viele Einheimische und Touristen die große Caféterie
der dortigen Fabrik, um die Pastéis zu erwerben. Das Originalrezept
kennen nur wenige Pâtissier.[39]
Sport [Bearbeiten]
José-Alvalade-StadionLissabon besitzt diverse sportliche Einrichtungen.
Das Estádio da Luz und das José-Alvalade-Stadion sind die
größten Stadien in der Stadt. Lissabon war im Laufe ihrer Geschichte
immer wieder Austragungsort von Welt- und Europameisterschaften.
Welt-, Europa- und nationale Meisterschaften [Bearbeiten]
In Lissabon fanden die Fechtweltmeisterschaft 1947, die Junioren-Fußballweltmeisterschaft
1991, die Kurzbahneuropameisterschaften 1999, die Leichtathletik-Hallenweltmeisterschaft
2001, die UCI-Straßen-Weltmeisterschaft 2001, die Fechtweltmeisterschaft
2002, die Handball-Weltmeisterschaft der Herren 2003 sowie die Fußball-Europameisterschaft
2004 statt.
In der Zeit
von 1938 bis 1945 fand der Portugiesische Fußballpokal jährlich
in Lissabon statt. Die Portugiesischen Meisterschaften im Badminton werden
seit 1956 in der Hauptstadt ausgetragen.
Fußball [Bearbeiten]
Der Lissabonner Fußballclubs Sporting Clube de Portugal (dt. Sporting
Lissabon) war der Gewinner des Europapokals der Pokalsieger 1964. Die
Fußballmannschaft von Sporting trägt ihre Heimspiele im José-Alvalade-Stadion
aus. Das Stadion mit 52.000 Plätzen war Austragungsort der Fußball-Europameisterschaft
2004. Das von der UEFA mit fünf Sternen ausgezeichnete Stadion liegt
direkt neben der alten Anlage.
Der Fußballclub
Sport Lisboa e Benfica (dt. Benfica Lissabon) ist mit 165.000 Mitgliedern
der größte Verein der Welt nach den Mitgliederzahlen. Der Austragungsort
der Heimspiele ist das Estádio da Luz. Das Stadion mit einem Fassungsvermögen
von 65.000 Zuschauerplätzen war der Austragungsort des Finales der
Europameisterschaft 2004. Für das Turnier wurde das Stadion komplett
neu gebaut. Es war Austragungsort von drei Gruppenspielen, einem Viertelfinale
und dem Endspiel der Fußball-Europameisterschaft 2004.
Das Estadio
do Restelo ist das Fußballstadion des Clubs Belenenses Lissabon
und befindet sich im Stadtteil Belém. Das Stadion wurde offiziell
am 23. September 1956 eingeweiht und fasst rund 32.500 Zuschauer.
Sonstige Sportarten [Bearbeiten]
In der Basketball-Liga UZO spielen die Lissabonner Vereine SL Benfica
und União Lisboa. Der Lissabon-Halbmarathon (pt. Meia Maratona
de Lisboa) ist einer der größten und sportlich bedeutendsten
Halbmarathons weltweit. Er findet seit 1991 in Lissabon statt, in der
Regel im März. Der erste Transeuropalauf fand vom 19. April bis 21.
Juni 2003 statt und führte in 64 Tagesetappen ohne Ruhetag von Lissabon
nach Moskau. Ende Dezember 2005 begann die bekannte Rallye Dakar (vormals
Paris-Dakar) zum ersten mal in der Hauptstadt Portugals.
Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]
Wirtschaft
[Bearbeiten]
HafenDer Raum Lissabon ist das wohlhabendste Gebiet in Portugal, dessen
Bruttoinlandsprodukt über dem europäischen Durchschnitt liegt
(Lissabon erzeugt 45 % des portugiesischen BIP). Im Großraum Lissabon
sind 1.300.500 Menschen erwerbstätig. Die Arbeitslosenquote in der
Stadt lag im Jahr 2004 bei 8 %.[40] Lissabons Wirtschaft beruht in erster
Linie auf der Dienstleistungsindustrie. Der Lissabonner Seehafen hat als
Schnittstellen des Land-, und Seeverkehrs, als maritimes Dienstleistungszentrum
und als Industriestandort eine große wirtschaftliche Bedeutung.
In der Lissabonner Metropolregion ist besonders das Südufer des Tejo
stark industrialisiert. 7 der 10 größten börsennotierten
Unternehmen in Portugal haben ihren Sitz in Lissabon. Dazu gehören
unter anderem die Unternehmen Energias de Portugal, Portugal Telecom und
Jerónimo Martins. Die Lissabonner Börse ist mit den Börsen
in Amsterdam, Brüssel und Paris Teil der Mehrländerbörse
Euronext.
Straßenverkehr [Bearbeiten]
Ponte Vasco da GamaDurch die Lage am Tejo war Lissabon lange Zeit vom
Süden aus nur durch Fährverkehr direkt aus zu erreichen. Die
erste Brücke wurde 1951 nördlich der Stadt an einem Flussengpunkt
in Vila Franca de Xira im Norden gebaut. Die Ponte 25 de Abril (1013 m
Spannweite und 2287 m Länge) wurde 1966 fertiggestellt und verband
erstmals Lissabon mit Almada auf der Tejo-Südseite. Seit 1999 besteht
unterhalb der Autofahrbahn auch eine Eisenbahnverbindung. Die A2 führt
dann weiter ins östliche Landesinnere bzw. nach Madrid/Spanien. Mit
der Ponte Vasco da Gama gibt es seit 1998 eine direkte Autobahnverbindung
(A12/IP1) über die Bucht zwischen Moscavide/Sacavém auf der
rechten und Montijo/Alcochete, bzw. Setúbal mit seinen Industrien
auf der linken Seite des Tejo.
Nördlich
geht mit der Autobahn A8 eine Verbindung nach Leiria und die A1 führt
an der Küste entlang bis nach Porto, dem zweitwichtigsten Zentrum
des Landes.
Flughafen [Bearbeiten]
Flughafen Lissabon
Touristenattraktion Straßenbahn 28Der Internationale Flughafen Lissabon-Portela
liegt 6 km nördlich vom Zentrum und in der Verlängerung der
Autobahn A12. Seit geraumer Zeit wird über die Lage eines neuen Flughafens
in Lissabon diskutiert. Am 10. Januar 2008 verkündete der Premier
José Sócrates, dass dieser auf dem Militärgelände
Campo de Tiro Alcochete nördlich von Alcochete entstehen soll. Die
portugiesischen Fluggesellschaften TAP Portugal, White Airways, Portugália
Airlines und EuroAtlantic Airways haben ihren Sitz in Lissabon.
ÖPNV [Bearbeiten]
Der ÖPNV wird hauptsächlich von den beiden Unternehmen Carris
(Companhia dos Carris de Ferro de Lisboa) und der Metropolitano de Lisboa
übernommen. Die Carris bedient über 100 Buslinien und nicht
zuletzt mehrere Straßenbahnen. Der Verkehr wird teilweise mit historischen
Wagen (pt. Eléctricos) unternommen. Zudem betreibt sie in der Stadt
vier Elevadores (dt. Aufzüge), drei Standseilbahnen und einen senkrecht
fahrenden Aufzug, den Elevador de Santa Justa. Die drei Standseilbahnen
wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, als in Lissabon damit begonnen
wurde, die seit 1873 verkehrende Pferdestraßenbahn ab 1890 durch
Kabelstraßenbahnen und später durch elektrische Straßenbahnen
zu ersetzen. Die Metro Lissabon umfasst vier Linien, die teilweise über
das Stadtgebiet hinaus führen. Das inzwischen 38 Kilometer lange
U-Bahnnetz wird kontinuierlich ausgebaut.
Schiene [Bearbeiten]
Bahnhof OrienteDie portugiesische Hauptstadt ist, neben Porto, der Hauptknotenpunkt
des portugiesischen Schienennetzes. Fünf Eisenbahnstrecken laufen
auf Lissabon zu, die, verbunden durch die Ringstrecke Linha de Cintura,
an verschiedenen Bahnhöfen im Lissabonner Stadtgebiet enden. Der
wichtigste Bahnhof ist der Bahnhof Santa Apolónia an der Linha
do Norte, dort enden alle internationalen Züge aus Spanien und Frankreich
sowie der Großteil der nationalen Hochgeschwindigkeitszüge
Alfa Pendular. Des Weiteren liegt im Nordosten Lissabons der Bahnhof Oriente,
der zukünftig, mit dem Bau des normalspurigen Hochgeschwindigkeitsnetzes
RAVE, zum neuen Hauptbahnhof der Stadt avancieren soll. Für den Vorortverkehr
verbleiben unter anderem noch die beiden Kopfbahnhöfe Cais do Sodré
(Strecke nach Cascais) und Rossio (Strecke nach Sintra) sowie die an der
Linha de Cintura gelegenen Bahnhöfe Sete Rios und Entrecampos.
Fährverkehr
[Bearbeiten]
Es existieren mehrere Fährverbindungen über den Tejo nach Barreiro,
Cacilhas, Montijo, Porto Brandão, Seixal und Trafaria. Ablegestellen
auf der rechten Tejoseite sind: Belem, Cais do Sodré und Terreiro
do Paço. Betreiber aller Linien ist inzwischen die Transtejo &
Soflusa, Markenzeichen sind die blau-weißen Katamaranfähren,
die mit 30 Knoten die Überfahrt auf dem Tejo auf ein Drittel verkürzt
haben.
Bildung und Wissenschaft [Bearbeiten]
Universität Lissabon
Autonome Universität LissabonLissabon ist neben Coimbra die wichtigste
Universitätsstadt in Portugal und hat mehrere Universitäten.
Die Universität Lissabon wurde 1288 gegründet und 1290 vom Papst
bestätigt.[41] Sie gehört zu den ältesten Universitäten
in Europa, wurde aber erst nach mehr als 400-jähriger Pause 1911
neu gegründet, indem medizinische und pharmazeutische Einrichtungen,
eine polytechnische Hochschule und literaturwissenschaftliche Institute
umorganisiert wurden. Als größte Klinik gehört das Universitätskrankenhaus
Hospital de Santa Maria mit 1500 Betten zu ihr. Die Sternwarte Lissabon
(pt. Observatório Astronómico de Lisboa) wurde 1992 der
Universität Lissabon angeschlossen und im Jahr 1995 in die naturwissenschaftliche
Fakultät integriert. Eine der größten Universitäten
Portugals ist die 1931 gegründete Technische Universität Lissabon
mit über 20.000 Studenten und sieben Fakultäten. Die 1973 gegründete
Neue Universität Lissabon als dritte staatliche Universität
ist mittlerweile auf über 14.000 Studenten gewachsen und bietet ein
klassisches Lehrspektrum an. Eine Privat-Universität der katholischen
Kirche ist die 1968 gegründete Katholische Universität Portugal.
Die Universität Lusíada Lissabon von 1986 und die Internationale
Universität Lissabon von 1984 sowie die Atlantik-Universität
Lissabon, die Autonome Universität Lissabon, die Universität
Lusófona Lissabon und die Moderne Universität Lissabon sind
Privat-Universitäten. Die Deutsche Schule Lissabon ist die älteste
deutsche Schule der Iberischen Halbinsel und die zweitälteste aller
deutschen Auslandsschulen. Sie wurde 1848 von einem evangelischen Pfarrer
der deutschen Gemeinde in Lissabon ins Leben gerufen. Die Schule musste
während des Ersten Weltkriegs im Jahre 1916 zwangsweise schließen.
Ihrer Wiedereröffnung erfolgte 1922. Am Ende des Zweiten Weltkriegs
endete erneut der Schulbetrieb. Dieser wurde nach Neueröffnung am
20. Oktober 1952 wieder aufgenommen.[42]
Persönlichkeiten [Bearbeiten]
Söhne und Töchter der Stadt ? Hauptartikel: Liste der Söhne
und Töchter von Lissabon
Lissabon war
Geburtsort zahlreicher bekannter Persönlichkeiten. Dazu gehören
der Präsident der Europäischen Kommission Durão Barroso,
der ehemalige Ministerpräsident und Staatspräsident Mário
Soares, der Franziskaner Antonius von Padua, der Afrikaforscher und Gouverneur
von Angola Hernandogildo Augusto de Brito Capello sowie Papst Johannes
XXI.
Literatur und Quellen [Bearbeiten]
Literatur
[Bearbeiten]
Johannes Beck: Lissabon, Erlangen 2007, ISBN 978-3-89953-370-5
Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann: Geschichte Portugals Vom
Spätmittelalter bis zur Gegenwart, C.H.Beck, 2001, ISBN 3406447562
Claus-Günter Frank: Lissabon Entdeckungen in Portugals Metropole.
Tübingen 2005, ISBN 3-937667-68-7.
Horst Günther: Das Erdbeben von Lissabon und die Erschütterung
des aufgeklärten Europa, Fischer, Frankfurt, 2005, ISBN 3596168546.
Lydia Hohenberger, Jürgen Strohmaier: Lissabon, DuMont, 2005, ISBN
3770160630.
Annette Hüller, Lissabon, Marco Polo, 2008, ISBN 3829704755.
Gerhard Lauer, Thorsten Unger: Das Erdbeben von Lissabon und der Katastrophendiskurs
im 18. Jahrhundert, Wallstein, 2008, ISBN 3835302671.
Susanne Lipps, Heidrun Reinhard: Lissabon, Polyglott-Verlag, 2009, ISBN
9783493559088.
Sara Lier: Immigranten in Lissabon, Vdm Verlag Dr. Müller, 2008,
ISBN 3836472260.
Eva Missler: Lissabon, Baedeker, 2005, ISBN 3829710585.
A. H. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen
Weltreichs, Stuttgart: Kröner, 2001, 713 S., ISBN 3-520-38501-5.
José Saramago: Geschichte der Belagerung von Lissabon, Rowohlt,
Reinbek, 1992, ISBN 3498062492.
Sabine Scholl: Lissabon, Artemis & Winkler, 2009, ISBN 3538072817.
Einzelnachweise
[Bearbeiten]
? Statistical Yearbook of the Lisboa Region 2007, S. 31 (PDF)
? Statistical Yearbook of the Lisboa Region 2007, S. 61 (PDF)
? Uni Bremen angerufen am 23. Juni 2009
? Weather.msn.com abgerufen am 6. Juni 2009
? Johann Jakob Egli: Nomina geographica Sprach- und Sacherklärung
von 42000 geographischen Namen aller Erdräume, S. 544, Georg Olms
Verlag, 1973, ISBN 3487045710.
? Hugo Kastner: Von Aachen bis Zypern Geografische Namen und ihre
Herkunft, S. 186, Schlütersche, 2007, ISBN 3899941241.
? Meyers Konversations-Lexikon: Lissabon, 1888
? Mittelalter-genealogie.de, Alfons 2 abgerufen am 6. Juni 2009
? Portugal-Info.net abgerufen am 6. Juni 2009
? Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann: Geschichte Portugals
Vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, S. 10, 11
? Looking for Earthquake Sources in the Lisbon Area, 13th European Meeting
of Environmental and Engineering Geophysics, Istanbul, Turkey, 3.5.
September 2007 (PDF)
? Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann: Geschichte Portugals
Vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, S. 36
? A. H. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals, S. 105 f.
? Eva Missler: Lissabon, S. 28
? Eva Missler: Lissabon, S. 29
? Josef Kulischer: Allgemeine Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters und
der Neuzeit, S. 221, Oldenbourg, 6. Auflage, 1988, ISBN 978-3486419764
? Julius von Minutoli: Portugal und seine Colonien, S. 240
? Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann: Geschichte Portugals
Vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, S. 72
? Julius von Minutoli: Portugal und seine Colonien, S. 305
? Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann: Geschichte Portugals
Vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, S.83
? Heidrun Reinhard: Lissabon, S. 14, Polyglott, 2005, ISBN 3493569084
? Hochschule Darmstadt abgerufen am 6. Juni 2009
? Diário de Notícias 2007 abgerufen am 9. Juli 2009
? Bericht zum Fallstudiengebiet Lissabon, Gebiet Ameixoeira-Galinheiras,
TU-Dresden, 2006 (PDF) abgerufen am 6. Juni 2009
? Wolfgang Ismayr: Die politischen Systeme Westeuropas, S. 809, VS Verlag,
2009, ISBN 3531164643.
? Markttest.com abgerufen am 22. Juni 2009
? Cm-lisboa.pt Bürgermeister und Stadtrat abgerufen am 6. Juni 2009
? Eva Missler: Lissabon, S. 21
? Cm-lisboa.pt Homepage von Lissabon (pt) abgerufen am 6. Juni
2009
? Anja Bothe: Vergleich des portugiesischen und deutschen Bauplanungs-
und Sanierungsrechts im Hinblick auf die Zielsetzung einer sozial ausgeglichenen
Wohnraumversorgung- Erfahrungen in den Metropolen Lissabon und Berlin,
S. 227.LIT Verlag, 2004, ISBN 3825871444.
? Whc.unesco.org abgerufen am 29. Juni 2009
? Eva Missler: Lissabon, S. 154
? Structurae.de abgerufen am 19. Juni 2009
? Lydia Hohenberger, Jürgen Strohmaier: Lissabon, S. 132
? Portaldasnacoes.pt (engl.) abgerufen am 6. Juni 2009
? A Brasileira abgerufen am 7. Juli 2009 (pt.)
? museudoscoches-ipmuseus.pt abgerufen am 1. Juli 2009
? Annette Hüller, Lissabon, S. 78
? Pasteisdebelem.pt abgerufen am 5. Juli 2009
? Lissabon.org abgerufen am 6. Juni 2009
? Walter Rüegg, Asa Briggs: Geschichte der Universität in Europa
Mittelalter, S.64, C.H.Beck, 1993, ISBN 978-3-406-36952-0
? Deutsche Schule Lissabon abgerufen am 19. Juni 2009
Weblinks [Bearbeiten]
Wiktionary: Lissabon Bedeutungserklärungen, Wortherkunft,
Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
Commons: Lissabon Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Seite der Stadtverwaltung (portugiesisch)
Stadtplan von Lissabon
Alfama und Castelo Bezirke
Lissabon Tipp (deutsch)
Praktische Informationen für Besucher Lissabons (deutsch)
Nahverkehrsplan der Carris
Deutscher Verein in Lissabon
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