| Portugal
(amtl. República Portuguesa) ist ein europäischer Staat im Westen
der iberischen Halbinsel. Im Westen und Süden wird es vom Atlantischen
Ozean, im Osten und Norden von Spanien begrenzt. Zum portugiesischen Staatsgebiet
gehören die Inseln der Azoren und Madeira (mit Porto Santo). Westlich
der Hauptstadt Lissabon liegt Cabo da Roca, der westlichste Punkt des europäischen
Festlandes.
Der Name Portugal
entstammt dem Namen der Siedlung Cale im Delta des Flusses Rio Douro.
Cale könnte ein griechisches Wort sein (Kalles = schön) und
sich auf die Schönheit der Natur im Norden des heutigen Portugal
beziehen, das die Griechen in der Antike kolonisierten. Andere Historiker
meinen, dass Cale phönizischen Ursprungs ist, da die Phönizier
Portugal schon vor den Griechen besiedelten. Als das heutige Portugal
zum Römischen Imperium gehörte, wurde Cale ein wichtiger Hafen,
auf Lateinisch Portus Cale. Im Mittelalter wurde Portus Cale zu Portucale,
später Portugale, wobei dieses Wort im 7. und 8. Jahrhundert nur
die nördlichen Teile des Landes bezeichnete, also die Region zwischen
den Flüssen Rio Douro und Rio Minho. Andererseits verkürzte
sich der Name Portus Cale zu Porto, der zweitwichtigsten Stadt, die sich
deshalb voller Stolz als Namensgeber des Landes bezeichnet.
Klimadiagramm Lissabon
Klimadiagramm Faro
Der Norden Portugals hat ein relativ kühles und feuchtes Klima und
besteht aus zwei traditionellen Provinzen oder Landschaften: Der Minho
im Nordwesten gehört zu den am dichtesten besiedelten Gegenden des
Landes. Die größten Städte des Minho sind Braga und Viana
do Castelo. Der Minho wird wegen seines Klimas und der vergleichsweise
üppigen Vegetation als der grüne Garten Portugals bezeichnet.
Auf den Hängen der zahlreichen Flusstäler wird vor allem Wein
angepflanzt, der zum berühmten Vinho Verde weiterverarbeitet wird.
Daneben gedeihen viele Gemüsesorten. Die natürliche Vegetation
ist eine Mischung aus der Flora der gemäßigten Klimazone und
der subtropischen Flora, je nach Höhenlage gibt es Eichen oder Kastanien
bzw. Pinien und Olivenbäume.
Im Nordosten
liegt Trás-os-Montes (Hinter den Bergen). Dies ist die dem Meer
abgewandte Seite Nordportugals, die sehr gebirgig ist und deshalb sehr
kalte Winter und sehr heiße Sommer hat. Die Vegetation ist bedeutend
weniger üppig als im Minho und sie fällt umso spärlicher
aus, je mehr man sich der Grenze zu Spanien nähert. Beiden Provinzen
ist gemein, dass ihre Gebirgsmassive, wie z. B. Marão oder Peneda-Gerês
von zahlreichen Flüssen, wie der Rio Minho (Grenzfluss zu Spanien)
oder der Rio Douro, durchschnitten werden. Im Norden Portugals liegt der
Nationalpark Peneda-Gerês, das bedeutendste Schutzgebiet des Landes.
Dort existieren noch Restbestände naturbelassener Wälder, in
denen sich insbesondere die immergrüne Steineiche findet. Bedeutende
Städte des Nordens sind Porto, Vila Nova de Gaia, Matosinhos, Braga,
Vila Real und Bragança.
Mittelportugal
ist größtenteils hügelig bis gebirgig und hat mit der
Serra da Estrela ein bedeutendes Gebirge mit Skigebiet. Der höchste
Berg ist der Torre mit 1993 m. Er ist die höchste Erhebung Kontinentalportugals.
Die wichtigsten Landschaften sind die Beira, der Ribatejo (die Tejo-Ebene
mit Beinamen Garten Lissabons), die Estremadura sowie die Mündung
des Tejo in den Atlantik. Die gesamte Region ist sehr fruchtbar und hat
ein für den Weinanbau optimales Klima, so dass die Tradition des
Weinbaus hier bis zu den Römern zurückreicht. Daneben werden
Getreide, Reis, Sonnenblumen und Gemüse angebaut. Die Region wird
durch den Tejo zweigeteilt. Überschwemmungen, die früher den
Ribatejo regelmäßig heimsuchten, kommen seit dem Bau zahlreicher
Staudämme nicht mehr vor. Die wichtigsten Städte Mittelportugals
sind Lissabon, Aveiro, Sintra, Coimbra, Viseu, Leiria, Castelo Branco
sowie Santarém.
Typische Landschaft des Alentejo bei MonsarazDer Süden Portugals
setzt sich aus den drei Landschaften Terras do Sado, Alentejo und Algarve
zusammen. Die Oberfläche der gesamten Region ist eben bis hügelig
und hat ein trockenes und heißes Klima. Der Alentejo, die frühere
Kornkammer Portugals, ist heute nur dünn besiedelt und von Abwanderung
gekennzeichnet, weitläufige Getreidefelder mit Olivenhainen und Korkeichen
dominieren die Landschaft. Zum Getreide kommen Weinanbau und in zunehmenden
Maße auch Sonnenblumen als Hauptprodukte. Die Wiesen sind im Frühling
mit Blumen übersät, die als Weiden für Schafe dienen. Zum
wirtschaftlichen Niedergang tragen nicht zuletzt auch immer länger
werdende Trockenperioden bei, denen man mit dem Bau von Staudämmen
zu begegnen versucht. Nicht einheimisch, aber immer häufiger anzutreffen,
sind Pflanzungen von Eukalyptus, die allerdings wegen der hohen Brandgefahr,
die von diesen Bäumen ausgeht, umstritten sind. Die südlichen
Küstenregionen sind dazu häufig von Kiefernwäldern bewachsen.
Daneben finden sich zahlreiche Palmenarten, von denen aber nur die Zwergpalme
einheimisch ist.
Die Algarve
markiert die gesamte Südküste des Landes und ist mit ihren hübschen
Städten, den Steilküsten und Sandstränden zu einem beliebten
Feriendomizil geworden, was die üblichen negativen Begleiterscheinungen
des Massentourismus mit sich gebracht hat. Die größten Städte
Südportugals sind Portalegre, Évora, Beja sowie Faro und Lagos.
Der wichtigste Fluss ist der Rio Guadiana, der zweimal auf längeren
Strecken auch die Grenze zu Spanien markiert. An die große sommerliche
Hitze angepasst sind zahlreiche sukkulente Pflanzen.
Satellitenbild der AzorenZu Portugal gehören weiterhin die beiden
Inselgruppen Madeira (Holzinsel) und Azoren (Habichtsinsel) im Atlantik.
Sie sind, bis auf die Azoreninsel Santa Maria, vulkanischen Ursprungs.
Die Inselgruppe Madeira hat aufgrund ihrer Lage vor der afrikanischen
Küste eine teils tropische, teils subtropische Vegetation. Der höchste
Berg Portugals befindet sich auf den Azoren (Ponta do Pico, 2351 m).
Die wichtigsten
Flüsse Portugals sind der Tejo, welcher in Spanien unter dem Namen
Tajo entspringt, der Douro (spanisch Duero) und der Mondego, wobei letzterer
der längste Fluss ist, der nur durch Portugal fließt.
Siehe auch:
Liste der Städte in Portugal
Fauna
Die Tierwelt Portugals unterscheidet sich nur unwesentlich von der Spaniens.
Vereinzelt leben hier noch Wölfe; der nur auf der iberischen Halbinsel
verbreitete Pardelluchs ist dagegen in Portugal nahezu ausgestorben, nur
noch selten werden Einzeltiere angetroffen, die vermutlich über die
Grenze mit Spanien eingewandert sind. Ansonsten finden sich Wildkatzen,
Füchse, Wildschweine, Hirsche, wilde Ziegen sowie Wildkaninchen.
Da Portugal auf der Zugvogelroute nach Afrika liegt, lassen sich zahlreiche
Vögel beobachten, darunter insbesondere im Süden auch Flamingos;
Steinadler leben und jagen in den Küstengebieten. Im Landesinneren
kommen auch verschiedene Schlangen und Skorpione vor.
Bevölkerung
Hauptartikel: Bevölkerung von Portugal
Denkmal der Entdeckungen (Padrão dos Descobrimentos) in LissabonPortugal
ist, jedenfalls bezogen auf die alteingesessene Bevölkerung, in sprachlicher,
ethnischer und religiöser Hinsicht ein sehr homogenes Land. Die portugiesische
Sprache wird im ganzen Land gesprochen, und nur in den Dörfern von
Miranda do Douro wird ein dem Asturischen zugeordneter Dialekt (Mirandes)
gesprochen, der als Minderheitensprache anerkannt wird. Die große
Mehrheit der Portugiesen bekennt sich zum römisch-katholischen Glauben.
Für lange
Zeit war Portugal ein Auswanderungsland; wichtige Zentren der portugiesischen
Kultur gibt es vor allem in Frankreich, wo allein 600.000 Portugiesen
leben, aber auch in vielen anderen Staaten. Andererseits war Portugal
schon während der Unabhängigkeitskriege seiner Kolonien Zielland
für Einwanderer aus den kolonisierten Regionen. Seit dem Beitritt
Portugals zur Europäischen Union und dem damit verbundenen politischen
und wirtschaftlichen Wandel ist Portugal verstärkt zu einem Einwanderungsland
geworden, wobei die Herkunftsländer der Zuwanderer vor allem in Afrika
(Angola, Kap Verde), Südamerika (Brasilien) sowie Osteuropa (Russland,
Ukraine, Moldawien) liegen.
Ausländer in Portugal mit ihren Herkunftsländern. Alle portugiesischsprachigen
Länder sind in grünen Farbtönen gehalten.
Datenquelle: INEEnde 2003 lebten etwa 250.000 ausländische Staatsangehörige
in Portugal. Diese stammen zu mehr als der Hälfte aus anderen portugiesischsprachigen
Ländern, sind meist katholischen Glaubens und haben auch einen ähnlichen
kulturellen Hintergrund. Etwa ein Viertel der Ausländer, die in Portugal
leben, sind Europäer - teils sind sie Dauerurlauber, die in Portugal
ihre Pension verbringen. Ein gewichtiger Anteil sind auch Rückkehrer,
also Portugiesen, die aus Portugal ausgewandert waren und mit fremder
Staatsbürgerschaft zurückgekehrt sind. Somit kennt Portugal
das Phänomen, Zuwanderer mit komplett unterschiedlicher Sprache und
Kultur integrieren zu müssen, wie beispielsweise Deutschland, nicht.
Auf zehn Portugiesen kommt statistisch gesehen ein Bürger nicht-portugiesischer
Herkunft (viele davon mittlerweile mit portugiesischem Pass).
Die ausländische
Bevölkerung lebt zu mehr als der Hälfte in Lissabon, davon abgesehen
konzentriert sie sich auf die Stadtgebiete an der Küste. Im Hinterland
liegt der Anteil bei unter 0,5 %.
Die dichteste
Besiedelung weist ein Küstenstreifen von der spanischen Grenze im
Norden bis in die Gegend um Lissabon auf. Während in diesem Streifen
70 % der Bevölkerung leben, sind das Hinterland und der Süden
Portugals sehr dünn besiedelt. Mehr als 10 % der Bevölkerung
entfällt auf zwei Städte (Lissabon und Porto), während
mehr als die Hälfte in Orten unter 2.000 Einwohnern lebt. Der Trend
geht in Portugal in Richtung Verstädterung.
Innerhalb Portugals
gibt es starke Migrationsbewegungen, wobei die Wanderungsbewegungen aus
den Regionen des Hinterlandes in Richtung der Zentren von Industrie (Lissabon,
Porto) und Tourismus (Algarve, Madeira und Azoren) gehen.
Religion
Etwa 97 % der Portugiesen sind römisch-katholischen Glaubens, wobei
in Portugal jedoch Glaubensfreiheit herrscht. Wichtigstes Pilgerziel ist
der Wallfahrtsort Fátima. Hier soll die Jungfrau Maria 1917 drei
Hirtenkindern erschienen sein.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Portugals
Frühgeschichte bis Antike
Die römische Provinz Lusitania im Südwesten der iberischen HalbinselDie
Vor- und Frühgeschichte des Gebietes entspricht weitgehend der Entwicklung
in den anderen Regionen der iberischen Halbinsel. Ab ca. 2000 v. Chr.
wandern die Iberer, wahrscheinlich aus Nordafrika kommend, auf der Halbinsel
ein. Ab 1200 v. Chr. gründen die Phönizier Seefahrerkolonien
an den Küsten. Ab ca. 600 v. Chr. wandern Kelten ein, die sich mit
den Iberern vermischen. Zu den so entstandenen Keltiberern gehört
auch der Stamm der Lusitaner, der den Römern als besonders wehrhaft
galt und im Lateinischen namensgebend für das Land werden sollte.
Ab 450 v. Chr.
wird das Gebiet von Karthago erobert und im Ergebnis des Zweiten Punischen
Krieges an Rom abgetreten. Von den Römern wird der Südwesten
der Halbinsel seit Beginn der Kaiserzeit unter dem Namen Lusitania als
eigenständige Provinz verwaltet, die neben dem Großteil des
heutigen Portugal auch Gebiete im Westen des heutigen Spanien umfasst
(speziell die Extremadura, die Provinz Salamanca und das Gebiet um Talavera
de la Reina), wo auch der Schwerpunkt der römischen Besiedlung lag.
Die römische Herrschaft endet in der Völkerwanderungszeit; Sueben
(ab 409) und vor allem Westgoten (ab 416) gründen ihre Reiche auf
dem Gebiet des späteren Portugal.
Maurische Herrschaft bis Kolonialmacht Portugal
Im Jahre 711 erobern die Mauren das Land, Lusitanien gehört nun zu
Al-Andalus und wird Teil des Emirats von Córdoba, später des
Kalifats von Córdoba und schließlich der Taifa-Königreiche,
in die das Land zerfällt. Der Großteil Lusitaniens wird im
11. Jahrhundert von der Dynastie der Aftasiden beherrscht, die in Badajoz
residieren. Der Süden gehört dagegen zur Herrschaft der Abbadiden
von Sevilla.
Währenddessen
beginnt vom Königreich Asturien ausgehend im 9. Jahrhundert langsam
die christliche Reconquista von Territorien des späteren Portugals,
die aber erst im 12. Jahrhundert das ehemalige Lusitanien erreicht. Die
Mauren werden bis 1492 sukzessive zurückgedrängt und schließlich
völlig vertrieben.
Als Keimzelle
des späteren Portugal entsteht im 9. Jahrhundert mit der Presúria
von Portucale durch Vímara Peres in der Gegend um Porto die erste
Grafschaft Portucale (Condado Portucalense). Mit der Übergabe
von Portucale durch Alfons VI. (Kastilien) von Kastilien an seines Schwiegersohn
Heinrich von Burgund wird 1096 oder 1097 die zweite Grafschaft
Portucale (Condado Portucalense) begründet, die von Anfang
mehr oder minder erfolgreich danach strebt, die Oberhoheit der Könige
von León und Kastilien abzuschütteln. Heinrich von Burgund
wird so zum Stammvater der ersten portugiesischen Königsdynastie.
Unter Heinrichs
Sohn und Nachfolger Alfons I. erlangt das Land 1143 seine Unabhängigkeit,
Alfons nimmt den Königstitel an. Die Burgunder herrschen bis 1383
in Portugal, 1211 wird das erste Ständeparlament (Cortes) einberufen,
1250 ist die Reconquista in Portugal mit der Eroberung der Algarve abgeschlossen,
1256 wird die Hauptstadt nach Lissabon verlegt.
Die Festung von Guimarães, das Hauptsymbol für Portugals Unabhängigkeit.
(Quelle: IPPAR)1383 stirbt das Haus Burgund in Portugal aus, ein nichtehelicher
Abkömmling, Johann von Avis ruft sich zum König aus, kann kastilische
Ansprüche auf den portugiesischen Thron in der Schlacht von Aljubarrota
(1385) abwehren und gründet die zweite portugiesische Dynastie, das
Haus Avis. Die Avis-Könige (besonders Emanuel I. - er herrschte von
1495 bis 1521) führten das Land zu höchster Blüte, Portugal
steigt zur führenden Handels- und Seemacht auf, erwirbt Kolonien
in Brasilien, Afrika, Arabien, Indien und China, das Land ist Weltmacht
und reichste Nation Europas (siehe auch Heinrich der Seefahrer; * 1394;
1460). Auch kulturell kommt es zu einer Blütezeit (Luís
de Camões).
1580 stirbt
das Haus Avis aus, Portugal fällt aus dynastischen Gründen an
die spanischen Habsburger. Bis 1640 herrschen die Spanier, Portugal verliert
seine Unabhängigkeit, sinkt zur spanischen Provinz herab, verliert
Teile seines Kolonialreiches. 1640 führt der Herzog von Braganza
eine Adelsrevolte gegen die spanische Herrschaft an und ruft sich als
Johann IV. zum König aus. Er gründet die vorletzte portugiesische
Dynastie, das Haus Braganza. Außen- und wirtschaftspolitisch gerät
das Land in immer größere Abhängigkeit von England (Methuenvertrag,
1703). 1755 vernichtet ein Erdbeben große Teile der Hauptstadt Lissabon,
der Marquês de Pombal baut die Stadt wieder auf und formt das Land
mit zum Teil drastischen Methoden zu einem aufgeklärt absolutistischen
Staat um. 1761 kommt es zu einem Angriff Spaniens und Frankreichs auf
das Land, Pombal trägt Wilhelm Graf zu Schaumburg-Lippe den Oberbefehl
über die vereinigten portugiesischen und britischen Truppen an. Wilhelm
wehrt die Angriffe erfolgreich ab und kann so die Unabhängigkeit
Portugals sichern. In den darauffolgenden Jahren reformiert er das portugiesische
Heer gründlich und lässt die Festung Elvas an der spanischen
Grenze errichten. 1807 besetzen napoleonische Truppen das Land, die königliche
Familie flieht nach Brasilien. Nachdem die Franzosen mit britischer Hilfe
vertrieben wurden, kommt es zur liberalen Revolution, das Land erhält
zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Verfassung (1821). Der sich anschließende
Kampf zwischen Anhängern des Absolutismus und Befürwortern einer
konstitutionellen Monarchie wird erst durch den Sieg der letzteren im
Miguelistenkrieg entschieden. Am 7. September 1822 erlangt Brasilien unter
Kaiser Pedro I. seine Unabhängigkeit.
Endphase der Monarchie bis Estado Novo
Die Zeit nach Ende des Miguelistenkrieges wird von der Auseinandersetzung
zwischen Rechts- und Linksliberalen (Cartisten und Setembristen) geprägt.
1853 stirbt mit Königin Maria II. das Haus Braganza in direkter Linie
aus, über die Ehe der Königin mit Ferdinand II. von Sachsen-Coburg
und Gotha übernimmt der portugiesische Zweig dieses deutschen Adelshauses
den Thron (bis 1910). Die Endphase der Monarchie ist durch eine allgemeine
Schwäche des Landes, wirtschaftliche Probleme (Staatsbankrott 1891)
und zunehmende republikanische Aufstände geprägt. 1908 werden
der König Karl I. und der Thronfolger bei einem Attentat getötet,
1910 wird die Republik ausgerufen.
Im März
1916 tritt das Land auf Seiten der Entente in den Ersten Weltkrieg ein.
Portugal mobilisiert bis zu 100.000 Soldaten, von denen ca. 7.000 bis
zum Ende des Krieges fallen. Die sog. erste Republik (bis 1926) ist durch
anarchisch chaotische Zustände gezeichnet, monarchistische und kommunistische
Aufstände, Putschversuche (u. a. des Sidónio Pais, 1917),
schwache, häufig wechselnde Regierungen ohne parlamentarische Mehrheit
und eine allgemeine politische Instabilität kennzeichnen die Situation.
1926 putscht
das Militär und beendet die erste Republik. Unter den Militärs
steigt ein Zivilist, António de Oliveira Salazar, ab 1928 Finanzminister,
ab 1932 Ministerpräsident, zu höchster Macht auf. Er gründet
ab 1933 den Estado Novo, den neuen Staat, ein autoritäres
Gebilde mit faschistischen Tendenzen, komplett mit Einheitspartei (Nationale
Union), Staatsjugend und Geheimpolizei (PIDE). Die katholisch-autoritäre
und antidemokratische Ideologie des Diktators verfolgt das Projekt eines
Ständestaates. Außenpolitisch baut Salazar auf
die Bindung an Großbritannien, sympathisiert im spanischen Bürgerkrieg
mit den nationalspanischen Kräften und taktiert geschickt zwischen
den Blöcken. Im Zweiten Weltkrieg bleibt das Land neutral, beliefert
beide Seiten mit dem wichtigen Rohstoff Wolfram und wird zum Tummelplatz
von Geheimagenten aller Kriegsparteien. Salazar, der von Anfang an mit
einem alliierten Sieg rechnete und entscheidend auf Franco im Sinne einer
spanischen Neutralität eingewirkt hatte, erlaubt den Alliierten schließlich
aber im Herbst 1943 die Einrichtung von Militärbasen auf den Azoren.
Nach Ende des Krieges tritt Portugal rasch der NATO bei. Ab 1960 beginnt
der Kolonialkrieg, der besonders in Afrika (Angola, Mosambik, Guinea-Bissau)
mit großer Härte geführt wird. 1968 muss Salazar wegen
gesundheitlicher Probleme zurücktreten, sein Nachfolger, Marcello
Caetano, kann sich nicht zu grundlegenden Reformen entschließen.
Durch den Kolonialkrieg ist Portugal außenpolitisch zunehmend isoliert,
die Kosten des Krieges führen zu steigender Staatsverschuldung und
Inflation. Führende Militärs erkennen, dass der Kolonialkrieg
militärisch für Portugal nicht zu gewinnen ist; wegen der Unfähigkeit
der Regierung, eine politische Lösung des Problems zu finden, putschen
sie schließlich 1974. Eine allgemeine Unzufriedenheit der Bevölkerung
mit der Diktatur, durch die einsetzende Wirtschaftskrise (hervorgerufen
durch die erste Ölkrise 1973) noch verstärkt, führt dazu,
dass sich die Bevölkerung massenhaft mit den putschenden Offizieren
solidarisiert, es kommt zu einer allgemeinen Volkserhebung, der Nelkenrevolution,
die den Estado Novo beendet. Die neuen Machthaber entlassen die portugiesischen
Kolonien, bis auf Macau, in die Unabhängigkeit (1974/1975).
Nelkenrevolution bis EU-Beitritt
Panoramablick von Vila Nova de Gaia (Vordergrund) auf den alten Hafen
und die Innenstadt von Porto. Rechts im Bild die Ponte Dom Luis IDie erste
Phase nach der Revolution ist geprägt von der Auseinandersetzung
zwischen einer eher konservativen Strömung (General Spínola)
und einem sozialistischen Flügel (Hauptmann Otelo), innerhalb des
MFA (Movimento das Forças Armadas - Bewegung der Streitkräfte),
der Vereinigung der putschenden Offiziere. Zunächst sah es so aus,
als wenn die sozialistische Strömung obsiegen würde, es kam
zu Verstaatlichungen und Landreform, die neue Verfassung von 1976 definiert
den Übergang zum Sozialismus als Staatsziel.
Als sich bei
den ersten Präsidentschaftswahlen nach der neuen Verfassung 1976
der gemäßigtere General Eanes überraschend deutlich gegen
Hauptmann Otelo durchsetzen kann, sind die Weichen für eine Rückkehr
des Landes zu einer parlamentarischen Demokratie westeuropäischen
Zuschnitts gestellt. Eanes und der Vorsitzende der Sozialistischen Partei
Mário Soares (Regierungschef von 1976 bis 1978 und 1983 bis 1985,
Staatspräsident von 1986 bis 1996) führen das Land schließlich
in die Europäische Gemeinschaft (Beitritt 1986).
Vom EU-Beitritt bis heute
Eine Straße in Lissabons Altstadt.1979 gewann zum ersten Mal seit
der Nelkenrevolution wieder eine politische Gruppierung die Parlamentswahlen,
die rechts der Mitte stand, die Regierungen unter Francisco de Sá
Carneiro und Francisco Pinto Balsemão. Die Regierung konnte sich
mit der sozialistischen Opposition auf eine Verfassungsänderung einigen,
durch welche die sozialistischen Überreste, die nach der Nelkenrevolution
in die Verfassung geschrieben wurden, entfernt wurden. Die 1982 in Kraft
getretene Verfassungsänderung eliminierte unter anderem den bis dahin
bedeutenden Revolutionsrat und schuf ein Verfassungsgericht nach dem Vorbild
anderer demokratischer Staaten. 1985 wurde Aníbal Cavaco Silva
Premierminister, seiner konservativen Partido Social Democrata (PSD) gelang
bei den Wahlen 1987 ein Erdrutschsieg, bei dem eine Partei zum ersten
Mal eine absolute Mehrheit erringen kann. Cavaco Silva bleibt bis 1995
Ministerpräsident, wobei er eine neoliberale Wirtschaftspolitik führte
und die Verstaatlichungen aus der Zeit der Nelkenrevolution zurücknahm.
Von 1995 bis 2002 stellten die Sozialisten mit António Guterres
wieder die Regierung.
Bei den Parlamentswahlen
vom 17. März 2002 kam es zu einem neuerlichen Rechtsrutsch. Bei einer
Wahlbeteiligung von 62,3 Prozent erreichte die konservative PSD unter
José Manuel Durão Barroso eine relative Stimmenmehrheit
von 40,1 Prozent, gefolgt von der sozialistischen Partido Socialista und
der rechtskonservativen Volkspartei CDS-PP mit 37,9 bzw. 8,8 Prozent.
Mit letzterer bildete Barroso eine Koalitionsregierung, wobei der populistische
Vorsitzende des CDS-PP, Paulo Portas, das Amt des Verteidigungsministers
übernahm und auch die Bereiche Justiz sowie Arbeit und Soziales an
das CDS-PP gingen. Die Sozialisten stellten allerdings ununterbrochen
den Präsidenten des Landes, da Nachfolger von Soares 1996 der Sozialist
Jorge Sampaio wurde.
Im Juli 2004
wurde Barroso vom Europäischen Rat zum Nachfolger von Romano Prodi
als Präsident der Kommission der Europäischen Union nominiert.
Sein Nachfolger als Ministerpräsident wurde Pedro Santana Lopes,
der aber nur kurze Zeit regieren konnte, da Präsident Sampaio bereits
im November das Parlament vorzeitig auflöste und für Februar
2005 Neuwahlen ausschrieb, bei der die Partido Socialista zum ersten Mal
in der Geschichte eine absolute Mehrheit errang. Ihr Spitzenkandidat José
Sócrates ist seit 12. März 2005 neuer Ministerpräsident.
Am 22. Januar
2006 wählten ca. 8,9 Millionen Portugiesen einen neuen Präsidenten.
Der bisherige Präsident, der Sozialist Jorge Sampaio, durfte sich
nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Wahl stellen. Gegen fünf Kandidaten
der Linken setzt sich bereits im ersten Wahlgang der Mitte-Rechts-Kandidat
und frühere Regierungschef Aníbal Cavaco Silva (PSD) mit einer
absoluten Mehrheit von 50,6 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 62,6
Prozent durch. Er wurde von einem Bündnis aus PSD und CDS-PP unterstützt.
Der als Architekt des portugiesischen Wirtschaftsaufschwungs in den Jahren
1985 bis 1995 geltende 66-jährige Wirtschaftsprofessor wurde damit
der erste bürgerliche Präsident in Portugal seit der Nelkenrevolution
von 1974. Er wurde am 9. März 2006 für fünf Jahre in sein
Amt eingeführt.
Politik
Politisches
System
Seit der Nelkenrevolution des Jahres 1974 hat Portugal sich zu einer stabilen
parlamentarischen Republik entwickelt. Die vier wichtigsten Organe der
Politik in Portugal sind der Präsident, der Premierminister und sein
Ministerrat, das Parlament sowie die Justiz.
Der Präsident,
der alle fünf Jahre direkt in allgemeinen Wahlen bestimmt wird, ist
auch Oberkommandierender der Streitkräfte. Er ernennt einen Premierminister
und den Ministerrat, wobei er sich am Ergebnis der Parlamentswahlen zu
orientieren hat. Der Staatsrat ist ein Gremium, das den Präsidenten
berät, und besteht aus dem Staatspräsidenten und allen seinen
Vorgängern, dem Premierminister, dem Präsidenten des Verfassungsgerichtes,
dem Bürgerbeauftragten, den regionalen Präsidenten (Madeira
und Azoren) sowie fünf vom Staatspräsidenten und fünf vom
Parlament ausgewählten Personen.
Die Regierung
wird vom Premierminister angeführt, der sich einen Ministerrat zusammenstellt.
Jede neue Regierung muss dem Parlament ein Programm vorlegen, über
welches debattiert wird. Sofern es nicht abgelehnt wird, bedeutet dies,
dass die Regierung vom Parlament akzeptiert ist.
Das Parlament
wird als Assembleia da República (Versammlung der Republik) bezeichnet
und besteht aus einer Kammer mit bis zu 230 Abgeordneten. Die Abgeordneten
werden für vier Jahre gewählt, wobei das Verhältniswahlrecht
zur Anwendung kommt. Der Präsident hat das Recht, das Parlament aufzulösen
und Neuwahlen anzusetzen.
Das Oberste
Gericht ist die höchste Instanz der portugiesischen Justiz, wobei
es spezielle Oberste Gerichte für militärische, verwaltungsrechtliche
und steuerrechtliche Fragen gibt. Das Verfassungsgericht Portugals hat
neun Mitglieder und überwacht die verfassungsgemäße Auslegung
des Rechts.
Es gibt zwei
große Parteien, die sozialdemokratisch orientierte Sozialistische
Partei (PS) und die bürgerlich-konservativ orientierte Sozialdemokratische
Partei (PSD). Daneben gibt es auf der rechten Seite noch die rechtspopulistische
Volkspartei (CDS/PP) und auf der linken Seite die traditionsreiche Partido
Comunista Português (PCP) und der vor wenigen Jahren als Sammelbecken
der intellektuellen Linken gegründete Linksblock (Bloco de Esquerda,
BE). Diese fünf Parteien sind zurzeit alle im Parlament vertreten.
Die Grünen (Partido Ecologista os Verdes, PEV) treten
in Portugal immer in Listenunion mit den Kommunisten an und bekommen darüber
normalerweise ein Parlamentsmandat.
Siehe auch:
Liste der politischen Parteien Portugals
Internationale Beziehungen
Portugal ist Mitglied der Europäischen Union und hatte im zweiten
Halbjahr 2007 den Ratsvorsitz inne. Das Land hatte den Vorsitz bereits
im ersten Halbjahr 2000. In dieser Zeit verfolgte Portugal vor allem das
Ziel, den Dialog mit Afrika zu forcieren und Impulse zur Stärkung
der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu geben.
Portugal war
Gründungsmitglied der NATO und beteiligt sich mit Truppen an der
Friedenssicherung auf dem Balkan. Zusammen mit Spanien ist Portugal an
den Ibero-Amerikanischen Gipfeltreffen beteiligt, deren Ziel der Dialog
v. a. mit den Ländern Lateinamerikas ist. Federführend war das
Land auch an der Gründung der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen
Länder (CPLP) beteiligt, mit dem Ziel, die Zusammenarbeit dieser
Länder zu vertiefen. Ferner ist das Land Mitglied in der Lateinischen
Union, die den Erhalt und die Vielfältigkeit der romanischen Sprachen
fördert.
Portugal unterstützte
Osttimor, eine frühere Kolonie, in seinem Unabhängigkeitskampf
und kooperiert nun in diesem jungen Staat finanziell und militärisch
mit asiatischen Ländern, den Vereinigten Staaten sowie der UNO.
Portugal hat
einen Territorialstreit mit Spanien um Olivenza (bzw. Olivença),
welches zu Spanien gehört, jedoch von Portugal beansprucht wird.
Olivença ist seit 1801 unter spanischer Verwaltung: Spanien erklärte
sich auf dem Wiener Kongress von 1815 bereit, das Gebiet an Portugal zurückzugeben.
Dies ist bis heute nicht geschehen, und Portugal verlangt regelmäßig,
dass die Rückgabe vollzogen wird.
Bildungssystem
Die Universität von Coimbra zählt zu Europas bedeutendsten ForschungsuniversitätenBis
zur Nelkenrevolution 1974 wurde Bildung sträflich vernachlässigt
und auch nach der Revolution ging der Aufbau des Bildungssystems nur langsam
voran. Dies macht sich bis heute bemerkbar: Im Jahr 2000 verfügten
beispielsweise nur etwa ein Zehntel der Dreißigjährigen über
einen Hochschulabschluss. Damit hatte Portugal unter den EU-Mitgliedern
vor der Osterweiterung den mit großem Abstand niedrigsten Wert.
Darüber hinaus hat Portugal heute eine Analphabetenquote von etwa
6,7 % (5 % bei Männern, 9 % bei Frauen).
Das Schulsystem
besteht aus einer vierjährigen Grundschule und einer fünfjährigen
Oberschule. Es besteht eine gesetzlich festgelegte neunjährige Schulpflicht
für alle Kinder ab dem sechsten Lebensjahr. Der Pflichtschulunterricht
ist an staatlichen Schulen kostenlos und für den Unterricht an einer
der vergleichsweise zahlreichen privaten Institutionen können bedürftige
Familien Unterstützung erhalten.
Wer nach der
Oberschule noch die dreijährige Escola Secundária absolviert,
bekommt die Universitätsreife und kann zwischen mehreren Möglichkeiten
des Hochschulstudiums wählen: Hochschulbildung wird in Portugal von
staatlichen und privaten Universitäten (universidades) sowie staatlichen
und privaten Fachhochschulen (escolas politécnicas) angeboten.
Zur Förderung der abgelegeneren Gebiete wurden auch in vielen mittleren
Städten Hochschulen eingerichtet; der Wechsel von einer zur anderen
Institution ist relativ leicht. In jedem Fall ist eine Aufnahmeprüfung
zu absolvieren und es sind Studiengebühren zu entrichten, die bei
den privaten Schulen höher sind als bei den staatlichen, und auch
je nach Fachrichtung variieren; auf staatlichen Einrichtungen bis zu 850
€ jährlich. Trotzdem ist etwa ein Drittel der Studenten bei
einer privaten Institution eingeschrieben. Zusätzlich zu den Einschreibegebühren
sind propinas zu bezahlen, das sind Gebühren für die Vergabe
von Zeugnissen und Diplomen. Etwa 20 % der Studenten kommen in den Genuss
einer einkommensabhängigen staatlichen Stützung.
Administrative Gliederung
Hauptartikel: Administrative Gliederung Portugals
VerwaltungsdistrikteDas relativ kleine Portugal hat eine sehr komplexe
Verwaltungsgliederung. Es gibt fünf Regionen, 18 Distrikte und die
zwei autonomen Regionen der Azoren und Madeira, daneben existieren 28
sogenannte statistische Unterregionen. Eine Ebene darunter folgen etwa
300 Kreise und 4.200 Gemeinden. Diese Gliederung ist eher ineffizient
und teuer, weshalb eine Reform in Arbeit ist, die die Distrikte abschaffen
und Kompetenzen dezentralisieren soll.
Siehe auch:
Portugiesische Kolonien
Militär
Die Portugiesischen Streitkräfte (portugiesisch: Forças Armadas
Portuguesas) unterstehen dem Verteidigungsministerium und bestehen aus
den Teilstreitkräften
Heer (Exército
Português)
Marine (Marinha Portuguesa)
Luftstreitkräfte (Força Aérea)
Republikanische Nationalgarde (Guarda Nacional Republicana)
Der Präsident ist Oberkommandierender der Streitkräfte. Die
bis 2003 herrschende allgemeine Wehrpflicht ist ausgesetzt.
Infrastruktur
Airbus A310 der TAP PortugalDie drei wichtigsten Flughäfen Portugals,
Porto, Lissabon und Faro, werden von mehreren Fluggesellschaften bedient,
wobei die portugiesischen Linien TAP Portugal, SATA Air Açores
und Portugália die meisten Verbindungen anbieten. Es gibt auch
Inlandsflüge auf dem Festland. Diese sind aber aufgrund der geringen
Größe des Landes nicht sonderlich attraktiv und relativ teuer.
Geplant ist eine Erweiterung bzw. ein Neubau des Lissaboner Flughafens.
Bis Ende 2007 soll eine Entscheidung zwischen einem Neubau in Ota (nördlich
der Hauptstadt) oder einem Erweiterungsflughafen unter Einbeziehung des
Bestehenden in Alcochete bzw. in Montijo auf der gegenüberliegenden
Tejo-Seite getroffen werden (sog. Portela + 1 Lösung).
Die Atlantikinseln
Portugals, Madeira und die Azoren, werden von der TAP Portugal angeflogen:
Auf den Azoren
Angra do Heroísmo auf Terceira, Horta auf Faial und Ponta Delgada
auf São Miguel;
Auf Madeira Funchal und Porto Santo.
Portugália fliegt nur Funchal an.
Neue Brücke über den Mondego
Ponte Vasco da GamaDas Straßennetz ist nicht zuletzt dank EU-Mitteln
aus den diversen Förderungsfonds gut ausgebaut; seit den 1980er Jahren
hat sich viel bewegt. Die wichtigsten Routen werden von gebührenpflichtigen
Autoestradas oder gebührenfreien Itinerários Principais (IP)
bzw. Itinerários Complementares (IC) abgedeckt. In abgelegeneren
Gebieten kann man noch häufig auf Straßen mit Kopfsteinpflaster
stoßen. Der Straßenverkehr Portugals zählt zu den unsichersten
in Europa. Im Jahr 2005 starben 123 Menschen pro 1 Million Einwohner (zum
Vergleich 65 pro 1 Mio. in Deutschland).
Das Eisenbahnnetz
Portugals ist nicht besonders dicht, auf den Hauptverkehrsrouten sind
die Verbindungen aber effizient und schnell. Die Fahrkarten sind relativ
günstig. In die Nebenbahnen wurde in den letzten Jahrzehnten nichts
mehr investiert und viele sind mittlerweile stillgelegt. Internationale
Züge verbinden Portugal mit mehreren Städten in Spanien, daneben
gibt es eine Verbindung nach Irún an der spanisch-französischen
Grenze mit direktem TGV-Anschluss nach Paris. Betrieben wird der Personenverkehr
von Comboios de Portugal. Geplant ist eine Hochgeschwindigkeitsverbindung
zwischen Lissabon, Porto und Madrid.
Dagegen gibt
es ein sehr dichtes Busnetz, welches zu ebenfalls günstigen Preisen
fast jede Ortschaft bedient. Internationale Busse verbinden Mitteleuropa
mit Portugal.
Wirtschaft
Allgemeines
Seit dem Beitritt Portugals zur EG im Jahre 1986 hat sich Portugal mehr
und mehr zu einer diversifizierten, vor allem auf Dienstleistungen ausgerichteten
Ökonomie entwickelt. Dienstleistungen sind mittlerweile für
etwa zwei Drittel des BIP verantwortlich. Wie auch in anderen Staaten
Europas wurden in den letzten Jahren weit reichende Privatisierungen durchgeführt
und die Staatsausgaben reduziert. Im Jahre 1998 hat sich Portugal für
den Beitritt zur Europäischen Währungsunion qualifiziert und
führte wie auch elf andere Staaten am 1. Januar 2002 den Euro als
Zahlungsmittel ein.
Die Neuverschuldung
Portugals übersteigt momentan die im Maastricht-Vertrag festgelegten
3 %, wobei das Land damit nicht allein dasteht.
Das Wirtschaftswachstum
hat mit etwa 3,3 % jährlich zwar in der Vergangenheit jenes des EU-Durchschnitts
in der Regel übertroffen, trotzdem ist Portugal nach wie vor das
ärmste Altmitglied der EU: Das Pro-Kopf-BIP (in Kaufkraftparitäten)
liegt bei etwa 78 % des Durchschnitts der EU-Länder vor der Osterweiterung,
wobei es im Jahr 1985 noch etwa bei 50 % lag. Im Vergleich mit dem BIP
der erweiterten EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Portugal
einen Index von 72.9 (EU-25:100) (2003). [1] Als Hindernis für stärkeres
Wachstum von Produktivität und Beschäftigung werden vor allem
strukturelle Probleme gesehen, wie z. B. das nach wie vor schlechte Bildungssystem
und die hohe Analphabetismusrate, die teils schlechte Infrastruktur, und
die ineffiziente Verwaltung. Aus diesem Grund gerät Portugal immer
mehr in einen Wettbewerb mit Niedriglohnländern aus Mittel- und Osteuropa,
Asien und Nordafrika und ist für ausländische Direktinvestitionen
nicht sonderlich attraktiv; die Durchschnittslöhne sind in Portugal
sehr niedrig bei sehr langen Arbeitszeiten. Ausländische Investitionen
kommen vor allem aus Großbritannien und Spanien; die größte
Investition aller Zeiten war die Errichtung von Auto-Europa, einer Autofabrik.
Arbeitslosigkeit
Die Arbeitslosigkeit lag 2006 mit 7,1 % knapp unter EU-Durchschnitt (7,5
%). Zu berücksichtigen ist, dass es einen großen informellen
Sektor in Portugals Wirtschaft gibt, welcher einen gewissen Anteil der
Arbeitslosen beschäftigt, der sonst in die Arbeitslosenstatistik
fallen würden.
Außenhandel
Der Außenhandel wird zu etwa 80 % mit den EU-Partnern abgewickelt;
exportiert werden vor allem Bekleidung und Schuhe, Maschinen, Chemieprodukte,
Kork sowie Zellstoff und Papier. Importiert werden Maschinen, Fahrzeuge,
Öl und Ölprodukte sowie Landwirtschaftsprodukte. Dabei hat Portugal
ein sehr großes Handelsbilanzdefizit und auch ein Zahlungsbilanzdefizit,
welches durch hohe Einnahmen aus dem Tourismus nicht so hoch wie das Handelsbilanzdefizit
ist.
Bodenschätze
Portugal besitzt Rohstoffvorkommen in Form von Kohle, Kupfer, Zinn, Gold,
Eisenerze wie Pyrit und Chalcopyrit, Tonminerale wie Kaolinit sowie Wolframit
und Uraninit. Es gehört zu den weltführenden Nationen in der
Wolframproduktion. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt
Portugal als wichtiger europäischer Lieferant für Uran. Der
Uranabbau wurde jedoch zu Beginn des 21. Jahrhunderts wegen Unwirtschaftlichkeit
eingestellt. Während des Zweiten Weltkrieges versorgte sich Deutschland
mit portugiesischem Wolfram für die Waffenproduktion, während
die Atombombe von Hiroshima portugiesisches Uran enthielt.
Landwirtschaft
Die Landwirtschaft Portugals ist eine der ineffizientesten in Europa;
der Anteil der Landwirtschaft am BIP liegt bei etwa 5 %, jedoch sind mehr
als 15 % der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft beschäftigt.
Dies führte dazu, dass viele Betriebe aufgaben und mittlerweile fast
die Hälfte der Nahrungsmittel importiert werden. Die Korkeichenplantagen
im Alentejo und der Anbau von Mandeln befinden sich ebenfalls in einer
tiefen Krise. Andererseits werden große Flächen mit schnell
wachsendem Eukalyptus aufgeforstet und so der Zellstoffindustrie
einem wichtigen Wirtschaftsfaktor Portugals Rohstoffe geliefert.
Dies ist aus umweltpolitischen Gründen sehr bedenklich, weil Eukalyptus
den Boden auslaugt, den ursprünglichen Wald und damit die Tierwelt
verdrängt und selbst sehr leicht brennt, was zu den häufigen
katastrophalen Waldbränden im Sommer führt.
Ähnlich
wie die Landwirtschaft kämpft auch die Fischerei mit Produktivitätsproblemen;
die portugiesische Fischereiflotte ist gegenüber der spanischen weit
im Hintertreffen. Der meiste Fisch wird importiert.
Tourismus
Für etwa acht Prozent des BIP, mit steigender Tendenz, ist der Tourismus
verantwortlich, wobei die meisten Besucher aus Spanien und Großbritannien
kommen. Die Algarve ist dabei unangefochten das Zentrum. Auf der Atlantikinsel
Madeira begann der Tourismus in der Mitte des 19. Jahrhunderts; die Insel
war eines der bevorzugten Ziele wohlhabender britischer Reisender. Sie
stiegen vor allem im Hotel Reids Palace ab, das der Schotte William
Reid 1891 hatte bauen lassen.
Kenndaten
Bruttosozialprodukt (Mrd. US$): 109,86 (1998), 109,99 (1999), 110,6 (2000),
Bruttosozialprodukt / Einwohner (US$): 11.020 (1998), 11.010 (1999), 11.060
(2000)
Internationale
Wirtschaftsbeziehungen
Mitgliedschaften: EU, Europarat, NATO, OECD, WTO
Staatsausgaben
Zwischen 1992 und 2000 lag der Anteil der Staatsausgaben für
das Gesundheitswesen
bei 9%
das Bildungswesen bei 11%
das Militär bei 6%
siehe auch: Liste der größten Unternehmen in Portugal
Kultur
Literatur
Luís Vaz de CamõesPortugal wird manchmal auch als Land der
Poeten bezeichnet. In der portugiesischen Literatur hatte die Poesie immer
einen stärkeren Einfluss als die Prosa. Im Mittelalter, als die portugiesische
Nation entstand, war im Nordwesten der iberischen Halbinsel die Poesie
sehr verbreitet und brachte exzellente epische wie lyrische Werke hervor.
Während die bekanntesten klassischen Poeten Luís de Camões
und Fernando Pessoa sind, so gibt es eine Reihe weiterer, weniger bekannter
Künstler, die auf die moderne portugiesische Literatur jedenfalls
auch bedeutenden Einfluss haben.
Die Prosa entwickelte
sich später als die Poesie und prägte sich erst im 14. Jahrhundert
in der Form von Chroniken oder der Beschreibung des Lebens von Heiligen
heraus. Hier ist Fernão Lopes der berühmteste Vertreter; er
verfasste eine Chronik der Regentschaften von drei Königen seiner
Zeit. Für ihn waren Genauigkeit der Darstellung sowie eine lebhafte
Schilderung am wichtigsten. International ist die portugiesische moderne
Literatur am bekanntesten, besonders mit den Werken von José Maria
Eça de Queiroz und dem Nobelpreisträger für Literatur
1998, José Saramago.
Portugiesische Küche
siehe auch: Portugiesische Küche
Die portugiesische
Küche ist mannigfaltig, weil die Portugiesen viele Dinge in ihre
Kochtraditionen aufnahmen, die sie auf ihren Entdeckungsfahrten kennenlernten.
In jeder Region Portugals gibt es eigene Spezialitäten, mit verschiedenen
Fleisch- und Fischsorten oder Meeresfrüchten.
Eine wichtige
Rolle in der Portugiesischen Küche spielt der Bacalhau - man kann
dies mit der Tradition einer Seefahrernation begründen, ohne das
Phänomen dieser Liebe ganz zu verstehen. Die Portugiesen sind nicht
nur der weltgrößte Konsument (pro Jahr und Person werden durchschnittlich
7 Kilo ungewässerter und 15 Kilo gewässerter Bacalhau verzehrt),
sie kennen auch die originellsten Zubereitungsarten. Er wird roh gegessen,
mariniert, gegrillt, gekocht, man verarbeitet ihn in Suppen, Salaten,
Vorspeisen (Pastel de Bacalhau), Hauptgerichten und sogar Desserts. So
wird gesagt, dass es in Portugal für jeden Tag des Jahres ein Bacalhaurezept
(365) gibt - Experten sprechen sogar von mehr als 1001 Rezepte, die von
deftiger Hausmannskost bis zu erlesener Haute Cuisine reichen.
Sardinhas Assadas,
gegrillte Sardinen sind in ganz Portugal ein wichtiges, traditionelles
Essen. Am 13. Juni, dem Feiertag von Antonius von Lissabon des Schutzpatron
der Stadt, sind die gegrillten Sardinen ein wichtiger Teil der Feiern.
Caldo verde ist eine Grünkohl-Kartoffelsuppe aus einem speziellen
portugiesischen Kohl (Couve-galega), die typischerweise mit Broa (Maisbrot)
und Chouriço serviert wird. Rissóis de Camarão, kleine
frittierte Pasteten mit einer Krabben- oder Muschelfüllung, sind
eine Spezialität der Estremadura, die in ganz Portugal sehr beliebt
ist. Pastel de Belém oder Pastel de Nata ist eine Spezialität
aus Lissabon (Belém), eine Blätterteigtörtchen mit einer
Sahne- und Eierfüllung. Inzwischen fanden die Pasteis de Belém
über Macao, das bis 1999 portugiesische Kolonie war, auch eine weitere
Verbreitung in China. Weitere Portugiesische Süßspeisen sind
Arroz doce (Milchreis), Pudim flam (Karamellpudding) und Mousse au Chocolat.
Durchweg sind Desserts in Portugal durch den maurischen Einfluss sehr
süß.
Zu den Spezialitäten
zählen ferner Caldeirada (eine Fischsuppe), Sopa alentejana (eine
Suppe mit Brot, Ei, Koriander, Knoblauch und Olivenöl). Suppe hat
in der Portugiesische Küche im allgemeinen einen etwas höheren
Stellenwert und wird unter anderem auch in Schnellrestaurants angeboten.
Für seinen
Wein ist Portugal bekannt, seit der Römerzeit wird Portugal mit dem
Gott des Weines und der Feste, Bacchus/Dionysos, assoziiert. Auch heute
gehören einige von Portugals Weinen zu den besten der Welt. Zwei
Weinspezialitäten sind der spritzig-moussierende Vinho Verde und
der Portwein.
Siehe auch:
Weinbau in Portugal
Musik
Die wichtigste Musikform Portugals ist der Fado, der sehr melancholisch
sein kann und deshalb teilweise für das Klischee der melancholischen
Portugiesen (gegenüber den temperamentvollen Spaniern) verantwortlich
ist. Diese Musik geht eng einher mit saudade (etwa: Sehnsucht), und ist
wahrscheinlich durch die Vermischung der Lieder von portugiesischen Seefahrern
mit den Rhythmen afrikanischer Sklaven entstanden. Hierbei unterscheidet
man zwei Stilformen, nämlich den Fado von Lissabon und jenen von
Coimbra. Amália Rodrigues war die bedeutendste Fado-Künstlerin,
nach ihrem Tod sind mehrere neue Künstler aus ihrem Schatten getreten
und bringen neue Formen des Fado hervor, die teilweise nur noch die saudade
mit dem ursprünglichen Fado gemein haben. In den früheren Kolonien
Portugals hat sich der Fado ebenfalls verbreitet und sich zur kapverdischen
Morna einer Cesária Évora und zum brasilianischen Choro
weiterentwickelt. Die heute im deutschsprachigen Raum bekannteste, vom
Fado beeinflusste, Gruppe ist Madredeus mit der Sängerin Teresa Salgueiro.
Aus der Zeit
des faschistischen Estado Novo unter Salazar stammt eine Liedermachertradition.
Bekannteste Vertreter dieser Protestbewegung sind José Afonso (häufig
Zeca genannt) und Sérgio Godinho. Von José Afonso stammt
die Interpretation des Liedes Grândola, Vila Morena, welches in
der Nacht der Nelkenrevolution und darüber hinaus eine große
politische Symbolwirkung entfaltete.
Im Popmusik-Genre
hat sich in Portugal der Hip Hop Tuga entwickelt, der eine an Portugal
adaptierte Version des Hip-Hop ist und unter den Jugendlichen sehr populär
ist. Über die Landesgrenzen hinaus konnte sich der Rock und Blues
Sänger, Gitarrist und Komponist Rui Veloso einen Namen machen.
Jede Region
Portugals besitzt ihren eigenen Folklorestil (Ranchos Folclóricos).
Die portugiesische Musik- und Tanztradition hat sich in Brasilien mit
den Traditionen der Sklaven aus dem heutigen Angola zur Samba gemischt
und ist auch in Portugal sehr populär. Vor allem unter angolanischen
Einwanderern ist auch der Kuduro sehr beliebt. Hierbei handelt es sich
um eine Musikrichtung welche unter anderem Einflüsse des Sungura
sowie des Afro Zouk beinhaltet. Der Rhythmus ist schnell und hart. Die
beliebte und verbreitete Kizomba ist eine Mischform aus dem angolanischen
Semba und Zouk. Es handelt sich in der Regel um romantische Lieder mit
entsprechend langsamen Rhythmen. Besonders populär sind diese beiden
Musikrichtungen (jedoch die Kizomba im Besonderen) bei der jungen Generation
der afrikanischen Einwanderer. In den vergangenen Jahren wurde diese Musikrichtung
jedoch auch unter portugiesischen Jugendlichen immer beliebter und wird
in vielen portugiesischen Diskotheken gespielt. Der Komponist, Musiker
und Sänger Rão Kyao hat sich besonders in der Aufarbeitung
des musikalischen Einflusses von indischer Musik (Goa, ehemalige portugiesische
Kolonie), Musik aus Macao (ehemalige portugiesische Kolonie) und aus dem
arabischen Raum sowie Nordafrika auf die portugiesische Musik und den
Fado einen Namen gemacht.
Volksfeste
Im Juni finden in ganz Portugal Feste zu Ehren der drei Volksheiligen
(Santos Populares) statt. Diese drei Heiligen sind Antonius, Johannes
und Petrus. Gefeiert wird mit Wein, água-pé (Most), traditionellem
Brot mit Sardinen, Straßenumzügen und -tänzen, Hochzeiten,
Feuer und Feuerwerk sowie viel guter Laune.
Santo António
wird in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni gefeiert, vor allem in Lissabon
(wo dieser Heilige geboren wurde und lebte), wo eine Art Straßenkarneval
(Marchas Populares) stattfindet. Es finden auch Hochzeiten, die Casamentos
de Santo António, statt. Der populärste Heilige ist São
João (hl. Johannes), für den am Johannistag vor allem in Porto
und Braga gefeiert wird, wobei es Sardinen und Caldo Verde (eine traditionelle
Suppe). Zu Ehren von São Pedro wird am 28. und 29. Juni gefeiert,
besonders in Póvoa de Varzim und Barcelos, wobei diese Feste dem
Meer gewidmet sind und man verwendet dabei viel Feuer (fogeiras) und wiederum
findet eine Art Straßenkarneval statt.
Sport
Portugals Fußballer Luís Figo im NationaltrikotFußball
ist der bekannteste, beliebteste und am meisten ausgeübte Sport in
Portugal. Der portugiesische Fußball hat Weltklassespieler wie Eusébio,
Nené, Paulo Sousa, Rui Costa, Cristiano Ronaldo, Vítor Baía,
Deco, Fernando Meira oder Luís Figo hervorgebracht. Im Jahr 2004
wurde die Fußball-Europameisterschaft in Portugal ausgetragen, bei
der die portugiesische Nationalmannschaft nach Griechenland Vize-Europameister
wurde. Bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz schied die portugiesische
Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen Deutschland aus dem Turnier
aus.
Ein internationaler
Titel im Fußball gelang den Portugiesen allerdings noch nie. In
der wahrscheinlich letzten WM von Luis Figo wollte der Altstar aus der
goldenen Generation Portugals nun endlich den ersten Titel in der A-Nationalmannschaft
schaffen. Nachdem man bereits die Niederlande und England geschlagen hatte,
scheiterte Portugal am 5. Juli 2006 doch noch mit einem 0:1 gegen Frankreich
im Halbfinale. Am 8. Juli verlor Portugal auch das kleine Finale um den
dritten Platz gegen Deutschland. Das Erreichen des dritten Platzes bei
der WM 1966 bleibt daher der bisher größte Erfolg in der portugiesischen
Fußballgeschichte.
Neben Fußball
sind noch Futsal und Strandfußball beliebt, wobei Portugal auch
dort Erfolge zu verzeichnen hat. Außerdem sind portugiesische Sportler
international im Marathonlauf, Beachvolleyball und Rollhockey erfolgreich.
Ganzjährig bieten die Küsten im Süden und Westen ideale
Bedingungen zum Wellenreiten. Einige der besten Surfspots Europas ziehen
Surfer aus aller Welt an.
Es gibt in
Portugal noch eine traditionelle Sportart mit dem Namen Jogo do pau.
Bibliothekswesen
Portugal verfügt über eine lange historische Bibliothekstradition,
ausgehend von mittelalterlichen und klösterlichen Sammlungen. So
entwickelten sich bis heute vielfältige Bibliothekstypen, wie wissenschaftliche
Bibliotheken, Universitätsbibliotheken, öffentliche Bibliotheken,
Bibliotheken der zentralen Verwaltung und Spezialbibliotheken. Die genaue
Anzahl von Bibliotheken und der Gesamtbestand an Medien ist nicht bekannt.
(Die LIB2-Studie von 1986 ermittelte 556 portugiesische Bibliotheken.)
Systematische
und methodische Arbeiten zur Förderung des öffentlichen Bibliothekswesens
und der Bibliothekswissenschaft begannen am Ende des 19. Jahrhunderts.
In der Zeit
des Estado Novo (1928-1974) war die Bedeutung der Bibliotheken und die
Bibliotheksarbeit selbst durch Zensur und Restriktionen stark eingeschränkt.
Dadurch gibt es bis heute Defizite in der Entwicklung des Bildungs
und Bibliothekssystems.
Universitätsbibliothek Aveiro von Álvaro SizaNach der Nelkenrevolution
1974 kam es zur Demokratisierung im Bildungs- und Kulturbereich. Ein Ergebnis
der jahrzehntelangen Diktatur war eine mangelnde Volksbildung und das
Problem des Analphabetismus, die auch eine systematische Erwachsenenbildung
und Leseförderung nötig machte. Die ebenso besorgniserregende
Situation der öffentlichen Bibliotheken hatte zahlreiche Initiativen
und Neuregelungen innerhalb des Bibliothekswesens zur Folge, z. B. 1983
das Manifest des öffentlichen Lesens. 1986 wurde dies
durch eine Gesetzgebung zur Schaffung und Koordinierung eines Netzes des
öffentlichen Lesens untermauert. Gleichzeitig kam es zur in Portugal
erst relativ spät beginnenden Automatisierung der Bibliotheksarbeit
und dem Einsatz moderner Informationstechnik.
Hierbei hatten
die Universitätsbibliotheken und die Nationalbibliothek Biblioteca
Nacional de Lisboa eine Vorreiterrolle. Letztere war die erste öffentliche
Bibliothek, die 1796 als Königlich-öffentliche Hofbibliothek
gegründet wurde. Sie betreibt z. B. die nationale bibliographische
Datenbank PORBASE. Diese enthält über 1 Million Titeleinträge,
800.000 Verfassereinträge von ca. 134 Bibliotheken und Dokumentationszentren
und die Portugiesische Nationalbibliographie. Die Nationalbibliothek und
vermutlich auch fast alle anderen Bibliotheken arbeiten mit dem Bibliothekssystem
CDS/ISIS und dem Datenaustauschformat UNIMARC.
Eine Archivar-
und Bibliothekar-Ausbildung ist über ein Studium an den staatlichen
Universitäten Coimbra, Lissabon und Porto möglich. Einige zum
Teil staatliche Institutionen übernehmen Koordinierungsaufgaben und
unterstützen die Förderung des portugiesischen Buches und die
Kooperation und Unterstützung von Bibliotheken.
Durch umfangreiche
innovative Arbeiten der letzten Jahre hat das portugiesische Bibliothekswesen
weitgehend den Anschluss an europäische und internationale Standards
geschafft. Noch existierende Defizite sollen in Zukunft, durch weitere
Förderung des Lesens und der Bibliotheken und durch internationale
Zusammenarbeit, weiter abgebaut werden.
Medien
Es gibt vier Hauptfernsehkanäle, die im ganzen Land per Antenne empfangen
werden können, und zwar RTP1 und RTP2, die vom staatlichen portugiesischen
Rundfunk Rádio e Televisão de Portugal (RTP) betrieben werden,
sowie die privaten Kanäle SIC (Sonae Group) und TVI (Media Capital,
davon 32 % RTL-Group). Das Programm wird bei allen diesen Sendern außer
RTP2 von brasilianischen und portugiesischen Telenovelas und Action-Serien
dominiert; die Nachrichten sind in hohem Maße auf Portugal ausgerichtet.
Fremdsprachige Spielfilme werden fast nie synchronisiert, sondern mit
Untertiteln gezeigt. Der Auslandssender RTP-Internacional kann auch in
Mitteleuropa empfangen werden und zeigt eine Auswahl von allen vier Programmen.
Daneben gibt es noch eine Vielzahl von Kabelkanälen, die jedoch nur
in den urbanen Zentren empfangen werden können.
In Portugal
gibt es etwa 150 Radiostationen, wobei die Sender der RTP und der katholische
Sender Rádio Renascença landesweit zu empfangen sind. Die
RTP ist über Kurzwelle auch in Mitteleuropa zu hören, allerdings
nur auf Portugiesisch.
Unter den zahlreichen
Zeitungen, die in Portugal gedruckt werden, findet momentan ein Konsolidierungsprozess
statt, bei welchem wohl viele der kleinen Blätter auf der Strecke
bleiben werden. Die bedeutendsten Zeitungen sind der konservativ-liberale
Diário de Notícias, der linksliberale Público (beide
aus Lissabon) und das Jornal de Notícias aus Porto, die alle täglich
erscheinen, sowie die Wochenzeitung Expresso und das politische Wochenmagazin
Visão. Sehr große Auflagen haben Sportzeitungen, die täglich
erscheinen und sich fast ausschließlich mit Fußball beschäftigen
die bedeutendsten sind O Jogo, A Bola und Record. Im Bereich der
Klatschpresse sind die wöchentlich erscheinenden Magazine Maria und
Nova Gente die auflagenstärksten Publikationen.
Feiertage
Datum Bezeichnung Portugiesischer Name Anmerkung
1. Januar Neujahrstag Ano Novo
- Karneval Carnaval (kein offizieller, aber de facto Feiertag), Dienstag
40 Tage vor Ostern
- Karfreitag Sexta-Feira Santa Freitag vor Ostern
- Ostern Páscoa Ostersonntag
25. April Tag der Freiheit Dia da Liberdade Nelkenrevolution 1974
1. Mai Tag der Arbeit Dia do trabalhador
10. Juni Portugal-Tag Dia de Portugal Tod von Camões im Jahre 1580
- Fronleichnam Corpo de Deus Donnerstag, 40 Tage nach Ostern
15. August Mariä Himmelfahrt Assunção
5. Oktober Errichtung der Republik Implantação da República
im Jahre 1910
1. November Allerheiligen Todos os santos
1. Dezember Wiederherstellung der Unabhängigkeit Restauração
da Independência im Jahr 1640
8. Dezember Unbefleckte Empfängnis Imaculada Conceição
Schutzheilige von Portugal
25. Dezember Weihnachten Natal
Anmerkung:
Jeder Kreis hat einen eigenen religiösen Feiertag, oft für den
Heiligen Antonius am 13. Juni, den Heiligen Johannes am 24. Juni oder
den Heiligen Petrus am 29. Juni. Wenn der Kreis so einen Feiertag nicht
hat, dann ist der Karneval ein gesetzlicher Feiertag. Der Karneval wird
faktisch wie ein normaler Feiertag behandelt, insbesondere Staatsbedienstete
haben an diesem Tag normalerweise frei. Der erfolglose Versuch, im Jahre
1995 diese Regelung abzuschaffen, kostete den damaligen Ministerpräsidenten
Cavaco Silva viel Popularität. Daneben wird der 24. Juni als Feiertag
diskutiert (Unabhängigkeit Portugals im Jahre 1128).
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